Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

12.08.2021 - Flutkatastrophe und Wetterextreme

Zwischenfrüchte auf ökologischen Vorrangflächen sollen genutzt werden können

Koblenz. Angesichts der großen Trockenheit in vielen Regionen Deutschlands sollen nach den ÖVF-Brachflächen jetzt auch die ÖVF-Zwischenfruchtflächen für Futterzwecke genutzt werden können. Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, will dazu eine Verordnung erlassen, die es den Bundesländern ermöglichen soll, Gebiete mit witterungsbedingtem Futtermangel auszuweisen. In diesen Gebieten sollen die Landwirte dann ausnahmsweise bestimmte ökologische Vorrangflächen uneingeschränkt für die Futternutzung verwenden, wie das BMEL dieser Tage mitteilte.

Der Zeitraum, in dem als ökologische Vorrangflächen ausgewiesene Flächen mit Zwischenfrüchten bestellt sein müssen, brauche nach EU-Recht nur mindestens acht Wochen betragen und könne einzelbetrieblich festgelegt werden. Von dieser EU-rechtlichen Möglichkeit will das BMEL Gebrauch machen.

So könnten die Zwischenfrüchte, die jetzt nach der Ernte der Hauptkultur auf ökologischen Vorrangflächen ausgesät würden, der Futternutzung zugeführt werden. Mit der Verordnung entfalle dann auch die Vorgabe, dass diese Flächen, sofern sie als ökologische Vorrangflächen (ÖVF) angemeldet werden, nur für die Beweidung mit Schafen und Ziegen genutzt werden dürften. Durch die Ausnahmeregelung sei dann auch eine Beweidung mit anderen Tierarten (zum Beispiel Rinder, Pferde) oder ein Schnitt für Futterzwecke möglich.

Auch wenn mit dem Inkrafttreten der Änderungsverordnung erst nach der Bundesratssitzung am 21. September zu rechnen sei, könnten die Zwischenfruchtmischungen auf den ÖVF, soweit die Witterungsbedingungen dies zulassen bereits jetzt ausgesät werden. Eine Nutzung für Futterzwecke (Beweidung oder Schnittnutzung) hingegen sei erst nach Inkrafttreten der geplanten Verordnung und Ablauf des beantragten und dann genehmigten betriebsindividuellen Zeitraums von acht Wochen möglich. Darauf hat das BMEL hingewiesen.

Landwirte, die ÖVF-Zwischenfrüchte für Futterzwecke nutzen wollen, sollen vorsorglich die Aussaat sowie bereits erfolgte Aussaaten auf ihren Flächen mit ÖVF-Zwischenfruchtmischungen in geeigneter Weise dokumentieren, zum Beispiel durch Fotos mit automatischer Ort- und Datumsangabe. Der Deutsche Bauernverband weißt außerdem daraufhin, dass auf diesen Flächen nach EU-Recht eine organische Düngung der ÖVF-Zwischenfruchtflächen möglich, aber eine Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln nicht zulässig sei. Diese Regelung soll auf das Jahr 2021 bzw. den Anfang des Jahres 2022 begrenzt werden.

In diesem Zusammenhang erinnert der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau daran, dass aufgrund der Starkregenereignisse und der zum Teil nicht mehr nutzbaren Futterflächen in allen Landkreisen von Rheinland-Pfalz die ÖVF-Brachen (Nutzungscode 062) durch Beweidung mit Tieren oder durch Schnittnutzung zu Futterzwecken genutzt werden dürfen. Das hat das Landwirtschaftsministerium in Mainz verkündet. Zu beachten sei, dass sogenannte Honigbrachen (Nutzcodes 065 und 066) nicht unter die Ausnahmegenehmigung fallen.