Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

26.06.2018 - Braugerstenrundfahrt Rheinland-Pfalz 2018

Die rheinland-pfälzische Braugerstenrundfahrt stieß auf großes Interesse. Die Teilnehmer konnten sich über die Zuchtfortschritte der neuen Sorten informieren und sich von den jeweiligen Bestandsentwicklungen überzeugen.

Landwirtschaft rechnet mit guten Braugerstenqualitäten

Bitburg. Die Leiterin des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Eifel, Dr. Anja Stumpe konnte über 40 interessierte Teilnehmer an der diesjährigen rheinland-pfälzischen Braugerstenrundfahrt auf dem Gelände des Zentrums begrüßen. Sie machte deutlich, dass die Versuchsfragen im Bereich Getreide zunehmen würden und die Versuchsanordnungen daher von sechs Technikern umgesetzt werden müssten. In ihrer Begrüßung machte sie deutlich, dass die Digitalisierung immer mehr um sich greife und die Einzelberatung zurückgehe. In Gesprächen zeigten sich die Landwirte über diese Entwicklung nicht zufrieden, da eine „digitale Auskunft“ den Besuch des Beraters, die Feststellung der Situation vor Ort und die darauffolgenden Handelsempfehlungen nicht ersetzen könne.

Der Vizepräsident der Landwirtschaftskammer und Vorsitzende der Fördergemeinschaft Braugerste, Ökonomierat Heribert Metternich, freute sich darüber, dass in diesem Jahr wieder 2.000 Hektar Braugerste mehr angebaut wurden und die Gerste zurzeit gute Preise erzielen würde. Darüber hinaus steige der Bierabsatz, was nicht alleine auf die Weltmeisterschaft zurückzuführen sei: „Die Versorgung mit Braugerste ist knapp, die Qualitäten sind gut und es stehen weiterhin gute Sorten in der Pipeline“. Bier habe als natürliches und urwüchsiges Kulturgetränk einen guten Ruf. Hierzu trage auch das Image einer guten Braugerste bei. Metternich lobte die staatliche Beratung, die genau wisse, was die Landwirte zu leisten in der Lage seien. Die Praktiker, die Versuchsansteller und die Berater seien ein hervorragendes Gespann in Rheinland-Pfalz.

Der stellvertretende Vorsitzende des Kreisbauern- und Winzerverbandes Gerhard Thiel machte deutlich, dass die Kultur Braugerste in eine intensive Fruchtfolge gehöre. Die meisten Betriebsleiter seien in der Lage gute Braugerste zu erzeugen. Bezogen auf die intensiv geführte Diskussion über eine ordnungsgemäße Düngung in der Landwirtschaft, machte Thiel darauf aufmerksam, dass die Braugerste eine sehr wasserschonende Kultur sei. Der Einsatz von Gülle zur Braugerste sei zwar möglich, aber sehr schwierig. Die Braugerste sei kein Notnagel. Sie könne beispielsweise im Falle einer Auswinterung nicht kurzfristig angebaut werden. Hierfür ist deren Produktion zu schwierig. Ein landwirtschaftlicher Unternehmer benötige sehr viel Feingefühl, um einerseits beste Qualitäten zu erzeugen und andererseits den vielen Facetten des Witterungsverlaufs im Jahreskreis zu trotzen.

Zu Beginn der Braugerstenrundfahrt besuchten die die Praxisflächen des landwirtschaftlichen Betriebes von Alexander Bohr aus Welschbillig. Nach der Vorfrucht Weizen wurden dort mit vergleichbarer Düngung sowie gleichen Pflanzenschutzanwendungen die Sorten Prospekt, Fokus, Klarinette, Leandra, Shirin, Stanza, Accordine, Planet und Avalon miteinander verglichen. Anschließend führte die Rundfahrt auf den Hopfenbetrieb der Familie Andreas Dick in Holsthum. Dick erläuterte vor dem interessierten Publikum, dass es über 200 verschiedene Hopfensorten gebe. Fast 60 Prozent der weltweiten Ernte komme dabei aus Deutschland. Die tiefgründigen Böden und das für den Hopfen sehr geeignete Klima erlaube es unter anderem der Gemeinde Holsthum, Hopfen anzubauen. Die erstaunten Zuhörer erfuhren, dass eine Hopfenpflanze bis zu 100 Jahre alt werden kann. Wer in eine Neuanlage investiere, müsse allerdings mit bis zu 20.000 Euro pro Hektar rechnen.

Anschließend stellte das DLR Eifel die von ihm betreuten Landessortenversuche vor. Pflanzenbauberater Nikolaus Schackmann betonte, dass die Versuche unter besonderer Berücksichtigung der Erfordernisse der neuen Düngeverordnung stünden. Die Teilnehmer der Braugerstenrundfahrt konnten sich über die aktuellen Bestände der Sorten Accordine, Avalon, Catamaran, Cervinia, Beckie, Laureate, Leandra, Marthe, Propino, Quench, Asteroid, Atmosphere, Elysium, Planet und Subway informieren. Am Ende der Veranstaltung sprach Peter Schwickert vom DLR Eifel über Bedeutung und Wirtschaftlichkeit des Braugerstenanbaus in der Region. Der stellvertretende Vorsitzende der Fördergemeinschaft Braugerste Rheinland-Pfalz, Dr. Georg Stettner, beendete anschließend die Veranstaltung.