Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

31.10.2018 - Achtung Telefonabzocke

Nutzen von Werbeplattformen sorgfältig prüfen

Koblenz. Die Masche ist immer wieder die gleiche. Mit zweifelhaften Methoden versuchen findige Geschäftemacher an das Geld anderer Leute zu kommen, indem sie diese verleiten, grundsätzlich rechtsverbindliche Erklärungen abzugeben und damit kostenpflichtige Dienstleistungen zu buchen. Versprochen wird häufig der Eintrag in „weit verbreitete und anerkannte branchenspezifische Werbeplattformen“, die von vielen potentiellen Kunden besucht werden und die das Auffinden der jeweiligen Landwirte vereinfachen sollen. Der daraus resultierende höhere Umsatz ist also quasi nur noch „Formsache“. Für solche „Geschäfte“ werden oft amtlichen Formularen nachempfundene Vordrucke verwendet, die vom Opfer schnell und unbedacht unterzeichnet und zurückgeschickt werden und dann einen mehrjährigen Eintrag in einer eher nutzlosen und schon gar nicht zwingend vorgeschriebenen Datenbank zur Folge haben. Im Gegenzug werden nicht selten vierstellige Beträge fällig. Um diesen Betrag wieder hereinzuholen, müssen Winzer - sie sind bevorzugte Kunden solcher Abzockversuche - so manche Flasche Wein verkaufen. Und das tut doppelt weh, wenn die versprochene Aufmerksamkeit zahlungskräftiger Kunden dann doch ausbleibt.

In den letzten Wochen beobachtet der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau (BWV) vermehrt telefonische Aktivitäten, die das Ziel verfolgen, den Betriebsinhaber oder einen zufällig am Telefon erreichten Familienangehörigen zum Abschluss von Abo-Verträgen zu bewegen, die keinen oder nur wenig praktischen Nutzen haben. Die Betroffenen werden in Gespräche verwickelt, Fragen, die meist nur mit „ja“ oder „nein“ beantwortet werden, führen dazu, dass der Angerufene schnell überrumpelt wird. Manchmal wird auch vorgegaukelt, dass bereits bekannte Daten auf einer Webseite nur bestätigt werden sollen, damit diese weitere Jahre online bleiben können. Bekannt sind auch Äußerungen, dass bei einer Nichtzustimmung die komplette Löschung der Unternehmensdaten erfolgen wird. Alles in allem mutet das sehr dubios an, doch immer wieder finden sich in der Alltagshektik Personen, die leichtgläubig Äußerungen machen, die ihnen später zum Nachteil gereichen. Zwar wird das telefonische Einverständnis eingeholt, das Gespräch mitzuschneiden, aber die Erfahrung zeigt, dass dies im Streitfall gerade nachteilig ist, da sich der Eindruck aufdrängt, dass nur einzelne Passagen dokumentiert und im Streitfall dem Angerufenen vorgehalten werden. Solche Mitschnitte vom Telefonat schaffen zusätzlich Verunsicherung, die dann die Abwehr der geltend gemachten Forderungen zusätzlich erschwert.

Auch wenn es Möglichkeiten gibt, der Zahlungsverpflichtung in gewissen Fällen zu entgehen, bedeutet dies doch immer hohen Aufwand und viel Ärger. Nicht zuletzt ist in den meisten Fällen die Einschaltung eines auf diese Themenbereiche spezialisierten Rechtsanwalts notwendig. Viele Streitigkeiten enden mit einem Vergleich, weil die Betroffenen, sei es aus Scham, auf so eine Masche reingefallen zu sein, aus Zeitgründen oder sonstigen Beweggründen heraus eine gerichtliche Auseinandersetzung scheuen.

Daher sollte jeder, der zweifelhafte telefonische Offerten erhält, diese genau prüfen und den Nutzen eines Eintrags in einer der zahllosen internetgestützten Datenbanken sorgfältig abwägen, bevor er mit vorschnellen und unbedachten Angaben in die teure Falle tappt. Ein seriöser Geschäftspartner wird die Bauern und Winzer nicht mit „einmaligen, nur heute gültigen Rabatten“ ködern und zum schnellen Vertragsabschluss drängen, sondern sicher auch auf Anfrage Unterlagen per Post oder Email zuschicken, damit der Kunde in Ruhe die Werthaltigkeit eines unterbreiteten Angebotes prüfen kann. Soviel Zeit sollte sich jeder Geschäftsmann nehmen, wenn er mit neuen Vertragspartnern in geschäftliche Beziehungen eintritt. Lassen sich die Gesprächspartner darauf nicht ein, ist Vorsicht angesagt und im Zweifel sollte der Telefonhörer aufgelegt werden. Denn jemanden in ein Gespräch zu verwickeln ist eine Spezialität der Telefonprofis am anderen Ende der Leitung. Das Auflegen des Hörers ist zwar unhöflich, aber konsequent und hat schon manchen Winzer vor Ärger und Schaden bewahrt.