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Staatsministerin Daniela Schmitt brach eine Lanze für das Kompetenzzentrum Gartenbau in Klein Altendorf: „Hier wird geforscht, beraten und an der Zukunft des heimischen Obstbaus gearbeitet.“ Von links: BWV-Präsident Marco Weber, Landwirtschaftsministerin Daniela Schmitt, QS-Bereichsleiter Wilfried Kamphausen und Professor Dr. Ralf Pude.

Beim Mindestlohn geben wir nicht nach!

Klein-Altendorf. Während der gut besuchten Rheinisch-Nassauischen Obstbautagung in Klein-Altendorf brach Landwirtschaftsministerin Daniela Schmitt eine Lanze für das Forschungs-, Versuchs- und Beratungszentrum in Klein-Altendorf: „Hier wird geforscht und die Obstbaubetriebe profitieren von den Ergebnissen der hier geleisteten Arbeit.“ Gleichzeitig bedauerte Schmidt, dass den Verbrauchern vielfach das Bewusstsein für die Bedeutung der regionalen Erzeugung fehle. Es werde viel zu häufig auf den Preis statt auf die Herkunft und Produktionsweise geblickt. Am Ende habe schließlich der Verbraucher die Macht, mit ihren Kaufentscheidungen über die Zukunft der Landwirtschaft und der ländlichen Strukturen in den Regionen zu entscheiden. Es sei aber eine Tatsache, dass nachhaltige Bewirtschaftung und der Einsatz für den Klimaschutz nur mit wirtschaftlich starken Betrieben möglich sei. Nur diese besäßen die Freiräume, um sich intensiv für diese zusätzlichen Leistungen einzusetzen zu können. Auch dürften dabei die Betriebe bürokratisch nicht überfordert werden.

Der Landwirtschaftsministerin liege die Landwirtschaft und somit auch der Obstbau am Herzen. Sie habe sich dafür eingesetzt, dass das FISU-Förderprogramm erweitert worden sei, wovon auch die Obstbaubetriebe profitieren würden. Eine neue Liste für förderfähige Maschinen und moderne Technik werde ab Februar 2026 vorliegen. Sie eröffne den Betrieben neue Möglichkeiten. Schließlich seien Innovationen der Schlüssel für die künftigen Herausforderungen und diese gelte es zu unterstützen.

Die Herausforderungen für die Betriebe, so die Ministerin, hätten in den letzten Jahren ohnehin deutlich zugenommen. Gerade für die immer wieder auftretende Wasserknappheit oder die neuen Schädlinge benötigten die landwirtschaftlichen Betriebe einen größeren „Werkzeugkasten“, um den notwendigen Handlungsspielraum erweitern zu können. Gleichzeitig müsse mehr Gewicht auf die Planungssicherheit der Betriebe gelegt werden. Dies gelte besonders auch in Hinblick auf den Pflanzenschutz. Dabei benötige vor allem die junge Generation Zuversicht und Sicherheit. Ihr Blick richte sich nun einmal über Jahrzehnte hinweg in die Zukunft.

BWV-Präsident Marco Weber machte darauf aufmerksam, dass zurzeit alle landwirtschaftlichen Produktionsbereiche unter schlechten, beziehungsweise sinkenden Preisen zu leiden hätten. Diese seien nicht mehr kostendeckend. Er sehe es als Aufgabe des Deutschen Bauernverbandes und der Landesbauernverbände an, Politik und Gesellschaft diesbezüglich zu sensibilisieren. Gleichzeitig gebe es große Zwänge, die die Landwirtschaft berücksichtigen müsse: sich verschärfende Naturschutz-, Klimaschutz und Wassergesetze. Sie würden die Betriebe zunehmend belasten. So habe es der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau erreicht, dass die Uferrandstreifen künftig nicht auf zehn Meter, wie ursprünglich geplant, sondern nur auf fünf Meter Breite, was dem bundeseinheitlichen Standard entspricht, ausgedehnt würden.

Der Berufsstand müsse sich nun auf seine originären Themen konzentrieren, wie beispielsweise Düngegesetzgebung oder Pflanzenschutzvorgaben. So müsse der Berufsstand uneingeschränkt für eine praxisorientierte Bewirtschaftung in den roten Gebieten kämpfen. Betrieben, die nachweislich nachhaltig und innovativ arbeiten würden, müsse ermöglicht werden, auf diesen Flächen nach Entzug düngen zu können. Auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln müsse endlich entstigmatisiert werden. Neu- und Wiederzulassungen seien endlich schnell und unbürokratisch umzusetzen. Auch der Einsatz von Pflanzenschutzmaßnahmen in Naturschutzgebieten müsse, wie bisher, auch in Zukunft möglich sein. Schließlich hätte die gute fachliche Praxis den Naturschutzgebieten geholfen und nicht geschadet.

Die Ausbildung nimmt bei BWV-Präsident Weber einen besonderen Stellenwert ein. Ein ausgebildeter Landwirt sei wie ein „Rohling“, der über die Dienstleistungszentren Ländlicher Raum, Universitäten oder weitere Fortbildungsinstitutionen zu einem Top-Landwirt ausgebildet werde. Auf dem Weg zur Spitzenfachkraft dürften die jungen Menschen aber nicht die Lust an ihrer Arbeit verlieren. „Das Funkeln in den Augen der jungen Menschen, beziehungsweise angehenden Betriebsleitern, ist ja berechtigt. Sie bringt die Freude und Faszination an ihrer Arbeit zum Ausdruck.“ Es liege an Politik und Gesellschaft diesen Enthusiasmus zu erhalten. Dann mache er sich über die Zukunft dieser jungen Menschen keine Sorgen.

Eine wesentliche Motivation für die Betriebe sei selbstverständlich auch der wirtschaftliche Erfolg. Daher werde er trotz seiner Enttäuschung gegenüber den bisherigen politischen Entscheidungen zum Thema Mindestlohn, nicht aufhören, sich für eine „Sonderregelung Landwirtschaft“ einzusetzen. Saisonarbeitskräfte in der Landwirtschaft dürften nicht mit Saisonarbeitskräften in anderen Bereichen verglichen werden. Die Landwirtschaft stehe nun einmal in einem globalen Konkurrenzkampf. Die aktuelle Entwicklung gefährde daher die Zukunft vieler Sonderkulturbetriebe. Dies treffe neben den Steillagenbetrieben im Weinbau selbstverständlich auch die Obst- und Gemüsebaubetriebe. Die Entscheidung der Politik, keine Sonderregelung für die Landwirtschaft zu ermöglichen, könne und werde er nicht akzeptieren. In den nächsten Wochen und Monaten werde die desolate Erlössituation ein Schwerpunktthema im Bauern- und Winzerverband sein. Daran werde auch der Obstbau partizipieren.

Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Obstbau, Norbert Schäfer, freut sich gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen über die gute Obsternte 2025. Sorge bereite ihm allerdings der behördliche Umgang bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln. Diese müssten viel schneller und umfangreicher durchgeführt werden. An Resistenzstrategien sei im Moment nicht zu denken. Auch die Mindestlöhne seien deutlich zu hoch. Der Anstieg sorge für Mehrkosten von über 1.000 Euro pro Hektar. Diese könne ein Betrieb aus eigener Kraft nicht mehr kompensieren. Schäfer sei hocherfreut, dass Landwirtschaftsministerin Daniela Schmitt hinter dem Kompetenzzentrum Gartenbau in Klein-Altendorf stehe. Dieses Zentrum sei für die Fortentwicklung des Obstbaus in Deutschland von enormer Bedeutung. Die Landesregierung habe sich gegen die destruktive Empfehlung des Landesrechnungshofes durchgesetzt. Das rechne er der Ministerin und ihrem Haus hoch an.

Gastgeber Professor Dr. Ralf Pude sieht die Zukunft des Campus in Klein-Altendorf sehr zuversichtlich. Es hätten hier viele neue Arbeitsplätze im Bereich Forschung geschaffen werden können. Auch arbeiteten die Universität Bonn und das Dienstleistungszentrum Ländlichen Raum besser zusammen denn je. Im kommenden Jahr werde es erfreulicherweise eine neue Fachschulklasse geben. Darüber hinaus leiste das Land Nordrhein-Westfalen tatkräftig Unterstützung bei der Fortentwicklung des Standorts. Im Ergebnis werde sowohl die praktische als auch die wissenschaftliche Arbeit in Klein-Altendorf weiter ausgebaut. Es werde in die Zukunft investiert und geplant, so Pude. Neue hochmoderne Gewächshäuser, energieautarke Produktionsstätten und weitere Innovationen ermöglichen einen wissenschaftlichen Austausch auf hohem internationalen Level. Dies ist perspektivisch auch für den Obstbau von großer Bedeutung.

Wilfried Kamphausen, Bereichsleiter bei Qualität und Sicherheit GmbH (QS), erläuterte den Gästen der Obstbautagung die Strukturen, Bedeutung, Prüfsysrematik und Herausforderungen des QS-Systems. Selbstverständlich sei die Teilnahme am QS-System mit Aufwand verbunden. Am Ende profitierten die Teilnehmer aber von diesem System, weil es eine breite Akzeptanz in der Branche und beim Handel habe. Außerdem würden die Teilnehmer auf künftige Herausforderungen vorbereitet werden. Darüber hinaus könne QS auch von kleineren landwirtschaftlichen Betrieben genutzt werden. Kamphausen sprach die gesamte Breite der Herauforderungen, denen sich QS aktuell stellen müsse, an. Wesentliche Punkt waren dabei der Umgang mit GLOBALG.A.P., die Vorteile des bei QS neu eingeführten freiwilligen Nachhaltigkeits-Inspektions- und Zertifizierungsmoduls (FIN) innerhalb des Lebensmittel-Qualitätssystems und die perspektivisch zu berücksichtigende QS-Klimaplattform.

Die Obstbauern Rudolf Flöck, Bruno Müller und Norbert Briesch wurden während der Rheinisch-Nassauischen Obstbautagung für ihren langjährigen Einsatz für die heimischen Obstbaufamilien geehrt. Vorsitzender Norbert Schäfer: „Sie haben sich in besonderer Weise für die Berufskolleginnen und -kollegen eingesetzt, indem sie Zeit und ihre Fachkompetenz der Arbeitsgemeinschaft Obstbau zur Verfügung gestellt haben. Alle wichtigen Anliegen des Berufsstandes haben sie maßgeblich unterstützt und waren immer zugegen, wenn ihre Kompetenz benötigt wurde.“ Schäfer überreichte ihnen als Zeichen der Würdigung und Dankbarkeit des Berufsstandes den Ehrenteller des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau. Diesem Zeichen schlossen sich Landwirtschaftsministerin Daniela Schmitt und BWV-Präsident Marco Weber an und gratulierten den geehrten Obstbauern. Am Ende der Obstbautagung dankte Vorsitzender Norbert Schäfer allen Obstbäuerinnen und Obstbauern für ihre Arbeit und die gute Zusammenarbeit mit dem Berufsstand. Zusammen könne viel erreicht und Lösungen gefunden werden.

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Vorsitzender Norbert Schäfer, BWV-Präsident Marco Weber und Ministerin Daniela Schmitt (v.l.) gratulierten den verdienten und langjährigen Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Obstbau Bruno Müller, Norbert Briesch und Rudolf Flöck für ihre hervorragenden Leistungen.