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Grußwort zum Jahreswechsel

Zusammenhalt und gemeinsames Schaffen sind gefragt

Liebe Bäuerinnen und Bauern, liebe landwirtschaftliche Familie,

das Jahr 2025 geht zu Ende. Jetzt ist die Zeit zu reflektieren, innezuhalten und auf das Erreichte wie auf die bevorstehenden Herausforderungen zu blicken. Gerade in bewegten Zeiten ist auf Eines Verlass: Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau ist und bleibt ein starker Partner an Ihrer Seite – in der Landwirtschaft wie auch im Weinbau.

Ein besonderer Ausdruck unserer Stärke sind die Kreisbauern- und Winzerverbände an Ahr, Mosel, Mittelrhein und Nahe, wie auch in der Eifel, Westerwald, Hunsrück und Taunus. Gemeinsam mit dem engagierten Ehrenamt und den Mitarbeitern um die Kreisgeschäftsführer setzen wir uns als BWV tagtäglich dafür ein, dass die landwirtschaftlichen Familienbetriebe und Weinbaubetriebe eine starke Stimme und schlagkräftige Unterstützung erhalten. Diese intensive und enge Zusammenarbeit ist für uns mehr als gelebte Verbandsarbeit – sie ist das Fundament für eine zukunftsfähige, vitale und wettbewerbsfähige Landwirtschaft in Rheinland-Pfalz. Die tägliche Arbeit der Geschäftsstellen und die kontinuierliche Interessenvertretung in Regional- wie Landesgremien durch den Landesbauernverband machen den Mehrwert einer BWV-Mitgliedschaft spürbar – für jeden Betrieb und ganz besonders für die Familien, die der Landwirtschaft und dem Weinbau ihr Herzblut schenken.

Die Herausforderungen wachsen

Mit Blick auf die Zukunft steht fest: Die Herausforderungen für Landwirtschaft und Weinbau, von der Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit über die Anpassung an den Klimawandel bis zur Einhaltung rechtlicher und gesellschaftlicher Anforderungen, wachsen weiter. Umso wichtiger ist es, dass wir als Branche zusammenstehen. Ein starker Gemeinschaftssinn aller Beteiligten ist unverzichtbar. Denn nur, wer sich mit einer klaren, starken Stimme artikuliert, findet tatsächlich Gehör – sei es in Mainz, Berlin oder Brüssel. Nur wer gemeinsam handelt, kann Einfluss nehmen und Veränderungen aktiv gestalten. Genau dafür stehen BWV, AGV, IGJG und unsere Weinbauverbände Tag für Tag mit ihrer Arbeit, ihrem Wissen und dem Netzwerk bis auf Bundes- und Europaebene ein. Darin eingeschlossen sind natürlich die LandFrauen und die Landjugend Rheinland-Nassau.

Ein zentrales Thema der kommenden Jahre bleibt die Düngeverordnung, gerade auch wegen aktueller Gerichtsentscheidungen. Viele Betriebe spüren die Auswirkungen der der Auflagen in der täglichen Arbeit auf dem Acker und im Weinberg. Die fachlich sinnvolle und präzise Düngung, der Einsatz moderner Technik und der verantwortungsvolle Umgang mit Nährstoffen werden von unseren Betrieben längst gelebt, häufig aber durch pauschale Regelungen erschwert. Als Verband setzen wir uns dafür ein, dass künftig exaktere Messungen und die tatsächliche Praxis der Betriebe berücksichtigt und praxisgerechte Anpassungen durchgesetzt werden.

Überbordende Bürokratie frustriert

Auch die einzelbetriebliche Förderung steht vor entscheidenden Weichenstellungen. Viele Landwirte und Winzer sind auf verlässliche Investitionsförderungen angewiesen, um Stallbauten, Lagerkapazitäten, Technik zur Ressourcenschonung oder betriebliche Modernisierungen zu stemmen. Wenn Programme gestoppt, Budgets gekürzt oder Förderbedingungen kurzfristig geändert werden, gefährdet dies notwendige Zukunftsinvestitionen und damit die Wettbewerbsfähigkeit unserer Familienbetriebe. Hier werben wir nachdrücklich für Planungssicherheit, auskömmliche Budgets und unbürokratische, verlässliche Förderstrukturen.

Die Belastung durch Bürokratie ist für viele Betriebe eine der größten Frustrationsquellen. Dokumentationspflichten, Kontrollen, digitale Meldewege und komplexe Antragsverfahren binden Zeit, die auf Hof, Feld und im Weinberg fehlt. Bürokratieabbau darf kein Lippenbekenntnis bleiben; wir brauchen spürbare Entlastung durch weniger Doppelerfassungen, vereinfachte Verfahren, klare Fristen und praxistaugliche digitale Lösungen. Die Menschen auf den Betrieben wollen wirtschaften, nicht verwalten – das muss in allen Ebenen von Politik und Verwaltung ankommen.

Eng verbunden damit ist das Thema Steuern und Finanzen. Gestiegene Zinsen, hohe Betriebsmittelpreise, unsichere Märkte und zusätzliche Auflagen treffen viele Betriebe in einer Phase knapper Liquidität. Steuerliche Rahmenbedingungen müssen die Besonderheiten der Landwirtschaft und des Weinbaus berücksichtigen. Es ist Aufgabe der Politik, den steuerlichen Rahmen so zu gestalten, dass Investitionen in Tierwohl, Klima- und Umweltschutz sowie in moderne Technik möglich bleiben und nicht durch steuerliche und finanzielle Hürden ausgebremst werden. Zum Thema Geld gehört ganz sicher auch das erneut entfachte Preisdumping („99-Cent-Butter“). Die Kosten zur Herstellung qualitativ hochwertiger Lebensmittel müssen den Landwirten erstattet werden. Der Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel darf nicht auf dem Rücken der Bauern und Winzer ausgetragen werden, die Erzeugerpreise müssen die Kosten decken.

Gleichzeitig nehmen die Erwartungen an Landwirtschaft und Weinbau im Umwelt- und Naturschutz weiter zu. Unsere Betriebe leisten schon heute einen großen Beitrag: durch vielfältige Fruchtfolgen, Erosionsschutz, Begrünungen, Pflege der Kulturlandschaften in den Steillagen und zahlreiche freiwillige Maßnahmen. Entscheidend ist, dass Umwelt- und Artenschutz mit den Betrieben umgesetzt werden – nicht gegen sie. Dafür braucht es verlässliche Programme, die Leistungen für Umwelt- und Klimaschutz auch angemessen honorieren, statt nur zusätzliche Auflagen ohne Gegenfinanzierung aufzubauen.

Trotz aller Herausforderungen gibt es auch Erfolge, auf die wir gemeinsam stolz sein können. Die Agrardieselrückvergütung hilft die besonderen Kostenstrukturen der Landwirtschaft abzufedern und die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zu stärken. Die FISU-Förderung in Rheinland-Pfalz eröffnet in Landwirtschaft und Weinbau zusätzliche Möglichkeiten, Qualität, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit zu verbinden und in zukunftsfähige Strukturen zu investieren. Weitere zusätzliche Fördergelder im Weinbau in Rheinland-Pfalz unterstützen insbesondere unsere anspruchsvollen Lagen und helfen, die einmalige Kulturlandschaft an Ahr, Mosel, Mittelrhein und Nahe zu erhalten.

Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit verbinden

Von besonderer Bedeutung ist für uns die neue Partnerschaft „Schulterschluss Artenvielfalt“. In enger Zusammenarbeit mit unserem Schwesterverband Rheinland-Pfalz-Süd, der Landwirtschaftskammer, weiteren Akteuren aus dem Naturschutz und der Landesregierung wollen wir zeigen, dass produktive Landwirtschaft, wirtschaftlich tragfähiger Weinbau und der Erhalt von Biodiversität keine Gegensätze sind. Unsere Betriebe sind bereit, Verantwortung zu übernehmen – wenn Rahmenbedingungen und Förderinstrumente so ausgestaltet werden, dass Artenvielfalt und wirtschaftliche Stabilität Hand in Hand gehen können.

Auch 2026 wird uns die Auseinandersetzung um den gesetzlichen Mindestlohn begleiten. Die geplanten Anpassungen stellen gerade unsere Sonderkulturen, wie den Steillagenweinbau oder den Obstbau, vor immense Herausforderungen: Die notwendige Handarbeit, hohe Qualifikationsanforderungen und die Kosten für Saisonarbeitskräfte lassen sich bei der aktuellen Marktsituation nicht einfach durch höhere Preise ausgleichen. Gemeinsam mit dem Deutschen Bauernverband setzen wir uns weiter intensiv für praxisnahe Ausnahmegenehmigungen und tragfähige Lösungen ein. Ziel muss es bleiben, für die einzigartigen Kulturen im deutschen Weinbau – insbesondere in den anspruchsvollen Flusstälern von Ahr, Mosel, Mittelrhein und Nahe –, wie auch für die landwirtschaftlichen Betriebe, etwa mit Tierhaltung oder Sonderkulturen, auch in Zukunft stabile und wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen zu sichern. Zugleich gilt es auch, diese bei Freihandelsabkommen, wie dem Mercosur-Abkommen, zu berücksichtigen, hier auf mögliche Fehlentwicklungen und Marktverzerrungen hinzuweisen: Gleiche Chancen, gleiche Auflagen! Qualitätsstandards müssen in allen Ländern der jeweiligen Freihandelsabkommen auf hohen Niveaus sein, dürfen den Wettbewerb nicht verzerren. Es ist Aufgabe von Politik und Verwaltung eine Sachpolitik zu betreiben, die das Überleben unserer Familienbetriebe nicht leichtfertig aufs Spiel setzt. Hier muss auf allen Ebenen weiter Druck auf die Entscheidungsträger ausgeübt werden.

Für das kommende Jahr gilt: Die gemeinsame Arbeit von Bauern und Winzern im BWV bleibt gefragt, um regionale landwirtschaftliche Produkte und Wein verantwortungsbewusst zu vermarkten und der Landwirtschaft und dem Weinbau weiterhin einen Platz im gesellschaftlichen Bewusstsein zu sichern.

Mein Dank gilt allen, die sich im nun ablaufenden Jahr voller Engagement und Leidenschaft für Landwirtschaft und Weinbau eingesetzt haben – in den Betrieben, im Ehrenamt, sowie unseren Kreisgeschäftsstellen und der Hauptgeschäftsstelle in Koblenz. Ihre Arbeit und ihr Herzblut machen den Unterschied!

Möge das Jahr 2026 von besonderer Güte sein und Spitzenqualitäten vom Acker oder Weinberg bringen. Ob Produkte aus dem Stall, vom Feld oder den Weinbergen – heimischer Genuss und eine starke Eigenversorgungsquote bleiben zentrale Themen unseres Verbandes.

Am 22. März 2026 steht in Rheinland-Pfalz die Landtagswahl an. Diese Wahl ist für die Zukunft der Landwirtschaft und des Weinbaus von großer Bedeutung, weil dort über viele politische Weichenstellungen entschieden wird, die unsere Betriebe ganz unmittelbar betreffen – von Förderprogrammen über Umweltauflagen bis hin zu Steuer- und Arbeitsmarktpolitik. Ich rufe alle Bauern und Winzer auf, dieses demokratische Recht aktiv zu nutzen. Bitte gehen Sie zur Wahl, bringen Sie sich als Demokraten ein und geben Sie Ihrer Stimme Gewicht – für eine starke, vielfältige und leistungsfähige Landwirtschaft und einen zukunftsfähigen Weinbau in Rheinland-Pfalz.

Ich wünsche Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und für 2026 Gesundheit, Glück und Erfolg. Zum Abschluss noch ein Vorschlag als guter Vorsatz für das neue Jahr: Nehmen wir uns stets Zeit, um mit Freude und Freunden ein gutes Glas Wein und leckere Produkte aus unserer Heimat zu genießen.

Herzlichst

Marco Weber, MdL
Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau