Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

23.09.2019 - Wildschaden im Mais

Räumen der Fläche ist eine ersatzpflichtige Wildschadensposition

Koblenz. In manchen Teilen von Rheinland-Pfalz spitzt sich die Wildschadenssituation derzeit zu. Je nach Region sind teilweise erhebliche Schwarzwildschäden in Maiskulturen zu beklagen. Über den Umfang und weitere Folgen des Schadens vor allem im Mais gibt es häufig Diskussionen zwischen den Betroffenen, was Anlass für einige rechtliche Klarstellungen ist.

Hintergrund vieler Diskussionen ist die von Seiten der Jäger und Jagdpächter immer wieder aufgestellte Behauptung, dass ein Landwirt keinen Anspruch auf Ersatz von Wildschäden im Folgejahr habe, wenn er auf einer abgeernteten Maisfläche beispielsweise Wintergetreide eingesät hat. Begründet wird diese Auffassung gebetsmühlenartig mit einem Urteil des Landgerichts in Schwerin aus dem Jahre 2002. In diesem Fall hatte ein Landwirt entgegen allen Regeln der guten fachlichen Praxis den Mais erst spät und damit unsachgemäß geerntet, so dass es zu einem unverhältnismäßig hohen Kolbenbruch gekommen war. Nach dem Unterpflügen dieser nicht sauber abgeernteten Maiskolben waren in der Folgekultur Wühlschäden aufgetreten, die der Jagdpächter nach Auffassung des LG Schwerin jedoch nicht ersetzen musste.

Die Grundsätze dieser Entscheidung sind jedoch nicht generalisierbar und insbesondere nicht auf alle Fälle anwendbar, in denen Wildschaden auf einer Fläche entstanden ist, auf der ein Landwirt vielleicht einzelne Maiskolben, die im Rahmen der ordnungsgemäßen Ernte zu Bruch gegangen sind, untergepflügt hat. Die Urteilsbegründung des LG Schwerin weist ausdrücklich auf einen „unverhältnismäßig sehr hohen Kolbenbruch“ hin, der auf eine zu späte Ernte zurückzuführen war. Wenn diese im Übermaß - so das Landgericht Schwerin - vorhandenen Bruchkolben untergepflügt werden, handle es sich um eine nicht ordnungsgemäße Landbewirtschaftung, die zu einem Mitverschulden und Ausschluss des Anspruches auf Wildschadensersatz führen könne, wenn Schwarzwild auf der Suche nach untergepflügten Maisresten die Aussaat von Getreide in der Folgekultur zerstören.

Im Umkehrschluss zu den Ausführungen des Landgerichtes Schwerin kann gefolgert werden, dass ein Mitverschulden gerade nicht besteht, wenn der Mais nach den Regeln der guten fachlichen Praxis angebaut und ordnungsgemäß geerntet wird. Genau das dürfte aber überwiegend in der Praxis der Fall sein. Die Behauptung der Jagdpächter, ein Landwirt verliere durch einen dem Mais nachfolgenden Getreideanbau seinen Anspruch auf Ersatz des möglicherweise auftretenden Wildschadens, ist mit Nachdruck zurückzuweisen. Wenn überhaupt, fallen Bruchkolben bei ordnungsgemäßer Ernte nicht oder nur in sehr geringem Umfang an. Diese Auffassung hat das Amtsgericht Cochem in einem Wildschadensverfahren eines Landwirts anklingen lassen. Ein Urteil wurde jedoch letztlich nicht gefällt. Das Verfahren endete aus anderen Gründen mit einem Vergleich.

Allerdings ist auf folgende Besonderheit hinzuweisen: Wenn im Mais Wildschäden aufgetreten sind, so ist die Wiederherrichtung der Fläche und damit auch das Auflesen der zwangsläufig anfallenden Bruchkolben und sonstigen Pflanzenteile eine Schadensposition, die bei Vereinbarungen zwischen Landwirt und Jagdpächter bzw. im förmlichen Wildschadensersatzverfahren stets zu berücksichtigen ist.

In der Praxis wird der Jagdpächter mit dem Landwirt eine Vereinbarung darüber treffen, inwiefern der zusätzliche Aufwand für das Auflesen und Entsorgen der Maiskolben zur Wiederherstellung des ursprünglichen landwirtschaftlich nutzbaren Zustandes der Fläche erstattet wird. Sofern keine einvernehmliche Regelung zustande kommt, muss diese Schadensposition im Wildschadensvorbescheid unbedingt Berücksichtigung finden. Der geschädigte Landwirt sollte daher unbedingt darauf achten, dass der amtliche Wildschadensschätzer diese Schadensposition beachtet (etwa Aufwand für das Zusammenrechen der Bruchkolben mit einer Egge oder manuelles Auflesen und Abtransport) bzw. beim Schadensausgleich durch Naturalersatz der Jagdpächter verpflichtet wird, die Bruchkolben selbst aufzulesen und zu entsorgen. In der Folge heißt das aber auch, dass der Landwirt dann die Arbeiten, für die er im Rahmen des Wildschadensersatzes eine Entschädigung bekommt, durchführen muss. Unterlässt er dies oder pflügt er die Pflanzenreste unsachgemäß unter, so ist der Vorwurf eines schadensmindernden oder gar -ausschließenden Mitverschuldens für Wildschäden im Folgejahr durchaus möglich. Landwirte sollten daher im eigenen Interesse für das Freiräumen der Flächen von durch Wildschaden oder eine unsachgemäße Bewirtschaftung verursachten Bruchkolben sorgen und dies in besonders konfliktbehafteten Fällen auch dokumentieren. Dies kann beispielsweise durch ein Foto, auf dem auch eine aktuelle Tageszeitung mit großen Schlagzeilen (die dann zweckmäßigerweise aufzubewahren ist) ebenfalls erkennbar ist, geschehen.