Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

27.07.2022 - Erntegespräch 2022 in Weinsberg

Das Erntegespräch erhielt auch dieses Jahr wieder großen Zuspruch von Politik, Handel und Landwirtschaft.

Landwirtschaft benötigt Freiräume und wieder mehr Eigenverantwortung!

Weinsheim. Die Erntepressekonferenz des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau fand dieses Jahr bei der Raiffeisen Westeifel in Weinsheim statt. Der Präsident des Verbandes, Michael Horper, stellte zu Beginn der Konferenz fest: „Die Landwirtschaft kann nicht nur Lebensmittel erzeugen, sie kann auch Energie und Biodiversität. Die Europäische Union hat in Anbetracht der aktuellen, weltweit prekären Ernährungssituation die Bedeutung der europäischen Landwirtschaft für die Ernährungssicherung erkannt. Das Aussetzen der geplanten vierprozentigen Flächenstilllegung und der Fruchtfolgenregelung, im Rahmen der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), muss nun in den Mitgliedsstaaten und somit auch in Deutschland umgesetzt werden. Wir Bäuerinnen und Bauern müssen jetzt für das Jahr 2023 planen und benötigen umgehend die notwendigen politischen Entscheidungen“.

Sehr kritisch sieht Horper auch die geplante Düngeeinschränkung in den sogenannten Roten Gebieten. Der Anbau von Qualitätsgetreide könne dort nicht mehr durchgeführt werden. Dies sei einerseits ein Unding für die Ernährung der Menschen, aber auch für die Wirtschaftlichkeit der landwirtschaftlichen Betriebe. Er fordere eine deutlich verursacherorientiertere Ausgestaltung der geplanten Auflagen.

„Die Bauern machen einen guten Job: Die Wintergerste überzeugt sowohl von der Erntemenge als auch von der Qualität. Auch bei Winterweizen werden auf guten Standorten gute Erntemengen und Qualitäten geerntet. Dort wo der Raps die Herbsttrockenheit gut überstanden hat, sind ebenfalls sehr gute Erntemengen zu erwarten“, so Präsident Horper. „Das Grünland ermöglichte ein bis zwei gute und teilweise sogar sehr gute Schnitte. Danach waren aufgrund der Trockenheit keine weiteren Schnitte mehr möglich. Der Mais ist das größte „Sorgenkind“. Er benötigt dringend Niederschläge, sonst müsste er viel zu früh und ohne zufriedenstellende Kolbenausbildung gehäckselt werden.“

Selbst beim Obstbau, trotz tiefer Durchwurzelung der Kulturen, machten sich ohne Bewässerung bereits Schäden bemerkbar und Früchte würden vorzeitig abgestoßen. Hinzu komme gerade beim Obst, dass durch den verstärkten Import ausländischer Waren, die heimischen Erzeugerpreise niedrig seien. Die steigenden Energiekosten der Betriebe könnten daher nicht mehr durch höhere Verkaufspreise aufgefangen werden. Er fordere daher nachdrücklich, dass innerhalb der jeweiligen Pflanzenschutzzonen der EU in allen Staaten die gleichen Pflanzenschutzmittel zugelassen werden. Darüber hinaus müssten bei der Erhöhung des Mindestlohnes in Deutschland Ausnahmen für die Landwirtschaft und den Weinbau geschaffen werden.

Horper erinnerte an die historische Entwicklung der Landwirtschaft im nördlichen Rheinland-Pfalz. Der Fleiß der Landwirte, die Ausbildung der Betriebsleiter sowie die staatliche Beratung und der Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln hätten nicht nur die Landwirtschaft, sondern die Attraktivität der ganzen Region nachhaltig verbessert. Steigende Auflagen und Bürokratie machten den Landwirten nun aber das Leben schwer. Die großen Verlierer dieser Entwicklung seien aktuell die Schweine haltenden Betriebe. Die Politik müsse endlich reagieren und den landwirtschaftlichen Betrieben wieder mehr Eigenverantwortung zugestehen.

Der Vorsitzende des Fachausschusses für pflanzliche Erzeugung im BWV, Harald Schneider, stellte fest, dass die Regierung in den Niederlanden 35 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe zum Aufhören zwingen wolle. Diese Betriebe würden zumindest entschädigt werden. In Deutschland werde die Zerstörung der Betriebe schleichend vorgenommen, ohne die Betriebe zu entschädigen. Die Auflagen der Düngeverordnung und das geplante Verbot von Pflanzenschutzmitteln in Naturschutz- und Natura 2000-Gebieten mache eine Landbewirtschaftung nach guter fachlicher Praxis unmöglich. Ohne die Erzeugung von Qualitäts- und Brotweizen würden die Einkommen der Landwirte deutlich sinken. Darüber hinaus mache eine steigende Erzeugung von Futtergetreide bei abnehmenden Tierbeständen keinen Sinn. Die marktwirtschaftlichen Verflechtungen der landwirtschaften Betriebe, des Land- und des Lebensmitteleinzelhandels würden durch überbordende Auflagen und Bürokratie empfindlich gestört.

Geschäftsführer der Raiffeisen Westeifel, Werner Aßmann, stellte die Bedeutung der Landwirtschaft für seine Region dar. Bisher habe der Umsatz im Bereich Landwirtschaft ausgedehnt werden können. Bei über sechs Geschäftsstellen in der Westeifel stünde den Betrieben eine flächendeckende Handelsstruktur zur Verfügung. 350 Landwirte würden das Angebot der Raiffeisen Westeifel nutzen. Der erzwungene Strukturwandel der Betriebe würde letztendlich auch Folgen für die vor- und nachgelagerten Bereiche und so für die Arbeitsplatzstrukturen in der Region haben.

BWV Präsident Horper sprach allen Gästen der Erntepressekonferenz seinen Dank für ihr Interesse an der Landwirtschaft aus und bat vor allem die anwesenden Abgeordneten Ralf Seekatz (MdEP, CDU), Marco Weber (MdL, FDP), Michael Ludwig (MdL, CDU) und Patric Müller die Sorgen und Anliegen des bäuerlichen Berufsstandes in ihre Fraktionen zu tragen und sich für bessere Zukunftsperspektiven einzusetzen.

Präsident Michael Horper erklärte, dass die Landwirtschaft mit der Natur auskomme, wenn die Politik nur die Bauern nicht immer weiter in ihrer Handlungsfähigkeit einschränken würde. Von links: Harald Schneider, Präsidiumsmitglied des BWV, Werner Aßmann, Raiffeisen Westeifel.