Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

20.11.2020 - Desolater Markt für Schweinefleisch

Präsident Horper fordert mehr Engagement von Politik und Lebensmitteleinzelhandel

Koblenz. Die Erzeugerpreise für Schweinefleisch sind von den Schlacht- und Fleischunternehmen diese Woche um weitere 8 Cent je Kilogramm Schweinefleisch zurückgenommen worden und der sogenannte Vereinigungspreis liegt nur noch bei 1,19 Euro je Kilogramm. In vielen Fällen erhalten die Schweinemäster aber nicht einmal mehr diesen Preis, da das zu schlachtende Schwein ein bestimmtes Gewicht und ein bestimmtes Alter haben muss, um in der sogenannten „Preismaske“, die der Schlachthof vorgibt, vermarktet werden zu können. Da aber die Schlachtbetriebe durch die Auflagen zur Ansteckungsvermeidung mit Corona nur noch zwischen 50 und 80 Prozent ihrer Schlachtkapazitäten nutzen können, können wöchentlich immer weniger Schweine geschlachtet werden. Dies führt folglich auf den Höfen zu einem Stau an Schweinen, die eigentlich geschlachtet werden sollten. Diese müssen aber weiter gefüttert werden und fallen schließlich aus der Preismaske heraus. All dies schmälert den Erlös pro Schwein. Diese Abwärtsspirale hat schon längst ein Niveau erreicht, bei dem kein Landwirt in Deutschland mehr wirtschaftlich produzieren kann. Die Not der Schweinemäster trifft auch die Ferkelerzeuger, die ihre Ferkel nicht mehr zum richtigen Zeitpunkt und kostendeckend verkaufen können. So gerät eine ganze Branche corona-bedingt in einen Abwärtssog – und das, obwohl sie „nur“ indirekt vom Lock down betroffen ist.

Der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Michael Horper, sieht vor allem die Markpartner in der Pflicht: „Es ist zwar durchaus bekannt, dass es aufgrund der genannten Ursachen einen Überhang an schlachtreifen Tieren gibt. Daran ändert aber auch eine weitere Preisabsenkung, wie sie jetzt gegen die Erzeuger durchgesetzt wurde, nichts. Diese Preisrücknahme ist außerdem völlig unverständlich, da der Abfluss von Schweinefleisch in den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) während des Lock down problemlos vonstatten geht und sich die Verbraucherpreise seit Monaten auf einem Niveau befinden, das einen höheren Erzeugerpreis erlauben würden.“

In vielerlei Umfragen sei dokumentiert worden, dass der Verbraucher durchaus bereit sei, höhere Verbraucherpreise für regionale Ware zu akzeptieren, erklärt Horper. „Nun liegt es an den führenden Discountketten endlich einzulenken. Es ist an der Zeit ein Zeichen für den Erhalt der heimischen und regionalen Produktion zu setzen.“

Aber auch die Politik müsse sich fragen lassen, ob sie weiter zuschauen wolle, wie die über Parteigrenzen hinweg gewünschte regionale Vermarktung wegbricht. Die Schweinehalter erwarten, dass die corona-bedingten Hilfen auch für die Schweinebranche zur Verfügung stehen, die infolge des „Teil-Lock downs“ der Schlacht- und Zerlegebetriebe indirekt hart getroffen ist.