Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

13.05.2020 - Corona macht erfinderisch

Winzer und Direktvermarkter bitte aufpassen!

Koblenz. Die COVID 19-Virus geprägte Zeit bringt viele Einschränkungen und Kontaktverbote mit sich, die vor wenigen Wochen in Ausmaß und Auswirkung kaum vorstellbar waren. Betroffen sind davon auch landwirtschaftliche Betriebe, vor allem diejenigen, die ihre Erzeugnisse direktvermarkten. Um dieser Situation zu trotzen, entwickeln viele Betriebsinhaber, vor allem Winzer, inzwischen kreative Ideen, wie sie ihre Produkte weiterhin gut vermarkten und an den Mann oder die Frau bringen können. Da derzeit der Verkauf von Wein im Rahmen von gemeinhin üblichen Weinproben nicht oder nur unter sehr erschwerten Bedingungen möglich ist, ist die Vermarktung über das Internet zu einem wichtigen Standbein der direktvermarktenden Winzer geworden. Dieses Angebot wird auch von vielen Kunden gerne angenommen, was steigende Umsatzzahlen im Onlineversand bei Wein auch belegen.

Um ihren Kunden Informationen und auch zusätzlich eine sensorische Hilfestellung zu geben, versuchen einige Winzer über das Internet mit ihren Kunden in Kontakt zu bleiben und „Online-Weinproben“ oder „Weinbesprechungen“ durchzuführen. Wichtig ist dies gerade in einer Zeit, in der der neue Jahrgang abgefüllt ist und angeboten wird. Die Kommunikation geschieht auf unterschiedliche Weise, meist werden jedoch die Weine, oder auch die Spirituosen, zuvor an die Kunden verschick. Anschließend wird ein Livestream im Internet geschaltet, bei dem der Winzer die Weine in einer geeigneten Lokalität bespricht und Rückmeldemöglichkeiten über Chatfunktionen, Webkonferenzen etc. ermöglicht. Manchmal werden auch spezielle Filme erstellt, die dann auf der eigenen Homepage, einer Fanpage, oder auf gängigen Videoportalen veröffentlicht werden.

Für den Kunden ist dies sicherlich eine gute und komfortable Möglichkeit, die zuvor ausgesuchten Weine mit kompetenter Begleitung zu verkosten und auch für eine weitergehende Bestellung auszusuchen. Je nach Geschick des Winzers lassen sich auf diese Weise Stimmung und Atmosphäre erzeugen, die der Kunde vom Besuch im Weingut her kennt.

Vorsicht vor Fallen!

Für den Winzer ist jedoch höchste Vorsicht geboten, denn nicht nur der geneigte Weinkunde, sondern auch „Kollegen“, die bei solchen Präsentationen gezielt nach Fehlern suchen, sind nicht untätig. Daher sollten die Winzer, die ihre Weine auf die beschriebene Art und Weise vorstellen, sehr sorgfältig bei der Auswahl ihrer Formulierungen sein. Wenn im kleinen Kreis einer Weinprobe im Weinkeller ein unbedachtes Wort fällt, so ist dies regelmäßig weniger relevant, da kaum damit zu rechnen ist, dass deswegen eine Abmahnung ausgesprochen wird. Wenn allerdings im Rahmen der Online-Präsentation problematische Formulierungen verwendet werden, die zu Abmahnung führen können, so ist höchste Vorsicht geboten, weil die Präsentationen meist dauerhaft im Internet vorgehalten werden und so auch leicht auffindbar sind. Ein besonderes Augenmerk sollten die Winzer daher auf die Vermeidung gesundheitsbezogener Angaben bei den Weinen legen. Alle Formulierung, die einen Hinweis auf gesundheitsbezogene Eigenschaften geben (beispielsweise für Diabetiker geeignet, magenschonend, gesund, leicht verdaulich, animierend etc.) dürfen nicht verwendet werden, auch nicht in einem Nebensatz. Das Zitieren von Dichtern, Wissenschaftlern oder Medizinern, die dem Wein beispielsweise eine gesundheitsfördernde oder herzschonende Bedeutung beimessen, sind ebenfalls tabu. Aussagen wie „Die Ärzte sagen, ein Glas Rotwein ist gut für die Gesundheit – danach müsste ich ewig leben!“ oder „Der Wein ist eine Medizin, wenn er aber ohne eine Manier getrunken wird, ist er ein Gift (Abraham a Sancta Clara)“ dürfen nicht nachweislich im Zusammenhang mit der Vorstellung von Wein verwendet werden. Ganz besonders sollte auf die Nichtverwendung des Begriffes „bekömmlich“ geachtet werden, da dieser Begriff bereits hundertfach Gegenstand von Abmahnungen gewesen ist.

Wenn der Aufwand betrieben wird, Video- oder Onlinepräsentationen von Weinen als „Konserve“ zu erstellen, dann ist es unbedingt erforderlich, vor der Veröffentlichung noch einmal einen kritischen Blick auf die Formulierungen zu werfen. Im Zweifel können mit moderner Technik einzelne Worte ersetzt oder durch einen Piepton unkenntlich gemacht werden, um ein Abmahnrisiko zu vermeiden. Die Beachtung der Vorgabe, dass gesundheitsbezogene Aussagen bei alkoholischen Getränken über 1,2 Vol.-% unzulässig sind, ist deshalb so wichtig, weil der Begriff der Werbung sehr weit ausgelegt wird. Alles, was ein Weingut oder einen Wein in einem guten Licht erscheinen lässt, fällt unter den Werbeaspekt und kann eine entsprechende Abmahnung auslösen.

Ansonsten müssen die im Fernabsatzgeschäft notwendigen Angaben, beispielsweise über Alkoholgehalt oder Endpreise während einer Online-Präsentation nicht genannt werden. Insbesondere müssen Winzer im Rahmen des Bestellvorgangs auf die notwendige Altersprüfung, Informationspflichten, Zahlungsmöglichkeiten, Widerrufrechte etc. hinweisen. Dies ist aber dann im Rahmen des normalen Verkaufsvorganges zu berücksichtigen. Weitere Informationen über Abmahnungen, deren Vermeidung und den sachgerechten Umgang damit, finden Sie hier.