BWV-Verbandsrat – Nachhaltigkeit ist nur wirtschaftlich möglich!

Koblenz. BWV-Präsident Marco Weber konnte während der letzten Verbandsratssitzung Landwirtschaftsministerin Daniela Schmitt begrüßen. Er dankte ihr für die Zusammenarbeit im Rahmen der Initiative Schulterschluss Artenvielfalt. Die Initiative sei ein Forum, in dem sich Landwirtschaft, Naturschutz und Verwaltung intensiv austauschen könnten. Als eine nicht im Schulterschluss Artenvielfalt beteiligte NGO gegen die genehmigte Erlegung eines Problemwolfes geklagt hatte, hätte er sich im Hinblick auf die Einführung eines praxisgerechten Wolfsmanagements zumindest mehr Rückhalt seitens BUND und Nabu gewünscht. Die Weiterentwicklung dieser Initiative werde der BWV aktiv begleiten und verfolgen. Der BWV setze sich ebenfalls vehement für den Erhalt der Erzeugung erneuerbarer Energien in der Landwirtschaft ein. Durch die Ausdehnung der Flächenphotovoltaikanlagen würden der Landwirtschaft große Areale an Nutzflächen entzogen, während gleichzeitig Biogasanlagen aufgegeben werden müssten. Das sei widersinnig und daher nicht nachvollziehbar. Der BWV werde sich gerade bezüglich der künftigen Ausgestaltung der erneuerbaren Energien im Deutschen Bauernverband als auch im Bundeswirtschaftsministerium politisch aktiv einbringen. Er hoffe dabei auch auf die neue hauptamtliche Spitze des DBV mit Stefanie Sabet als Generalsekretärin und ihre neu ernannten Stellvertreter, Steffen Pingen und Benjamin Walker.

Weber dankte allen Teilnehmern der großen öffentlichkeitswirksamen Wolfsaktion von rund 20 Organisationen und ca. 1.000 Teilnehmern verschiedener Bundesländer in Rehe im Westerwald. Hinsichtlich des Schießens aggressiver Wölfe müsse künftig schnell gehandelt werden können. Offensichtlich gefährliche Wölfe müssten ohne DNA-Abstriche – und somit schnell und unbürokratisch – entnommen werden können.

Das Jahr 2026 sei für die Frauen im ländlichen Raum von besonderer Bedeutung. Er freue sich daher, dass die Vereinten Nationen dieses Jahr als Jahr der Frauen in der Landwirtschaft ausgerufen hätten. Die LandFrauen, so Weber, seien sehr gut aufgestellt und vernetzt. Der Berufsstand stehe mit vielen Themen mit den LandFrauen in der Diskussion und die Zusammenarbeit sei gerade in Rheinland-Nassau vorbildlich. Dafür sprach er der anwesenden LandFrauenpräsidentin Gudrun Breuer seinen Dank aus. Es sei sehr wichtig, zentrale Themen gemeinsam in Politik und Gesellschaft nach vorne zu tragen. Damit steige die Chance, Erfolg bei den jeweiligen Themen zu erzielen. Ein weiterer wichtiger Punkt, den der Berufsstand bearbeite, sei die Novellierung der Düngeverordnung. Gerade hierzu habe der Verband im Februar einen eine eigene Fachausschusssitzung durchgeführt und dabei mit wichtigen Vertretern des Landes diskutiert. Die bisherige Düngeverordnung habe zu unbefriedigenden Situationen in Landwirtschaft geführt. Jetzt gelte es, endlich praxisgerechte Regelungen einzuführen und umzusetzen.

Der Berufsstand habe sich erfolgreich gegen die Klage zweier NGOs gewehrt, die Hubschrauberspritzungen im Steillagenweinbau untersagen wollten. Es sei nicht auszudenken, hätte der Berufsstand diesen Rechtsstreit verloren. Weber dankte dem Landwirtschaftsministerium für seine erfolgreich geleistete Arbeit und fachliche Unterstützung des Berufsstandes auf diesem Gebiet. Ein weiterer Erfolg sei die Einführung der Ausgleichszulage Im Jahr 2022 gewesen, für die sich der BWV vehement eingesetzt habe. Zwar betrage die Höhe lediglich 25 Euro pro Hektar, aber sie sei da und stehe den Betrieben in den benachteiligten Gebieten ohne weitere Auflagen zur Verfügung. Auch bezüglich der Niederlassungsbeihilfe für junge Bäuerinnen und Bauern würde sich Weber eine größere finanzielle Ausstattung und weniger Bürokratie wünschen.

Die Förderung von Investitionen in Spezialmaschinen und Umweltinvestitionen (FISU) sei äußerst wichtig, so der BWV-Präsident, da gerade Maschinen und Geräte einen Wirtschaftsfaktor in den Betrieben darstellen. Es freue ihn daher, dass die Förderung von 1,9 auf 4 Millionen Euro aufgestockt worden sei. Somit hätten alle Förderanträge bearbeitet werden können. Sorge bereite ihm die aktuell kriegerische Situation im Nahen Osten. Die Energiepreissituation werde sich enorm belastend auf die landwirtschaftlichen Betriebe auswirken.

Weber habe sich in die Diskussion über die neue Landesjagdverordnung eingeschaltet und Gesprächen vor der kommenden Wahl eine Absage erteilt. Wichtige Entscheidungen diesbezüglich müssten mit der neuen Regierung getroffen werden. Ohnehin biete er die fachliche Hilfe des BWV bei landwirtschaftlichen und weinbaulichen Themen während der kommenden zu erwartenden Koalitionsgespräche welche an.

Landwirtschaftsministerin Daniela Schmitt gratulierte zu Beginn ihrer Rede Benjamin Purpus und Andreas Struth für ihre Wahl zu neuen Kreisvorsitzenden im BWV. Es freue sie, wenn junge Menschen politische Verantwortung für ihren Berufsstand übernehmen würden. Gerade Rheinland-Pfalz setze sich für junge Menschen ein, was die Einführung der Niederlassungsbeihilfe für Junglandwirte bestätige. Verbesserungsmöglichkeiten würde sie in Angriff nehmen. Die Förderung der Hofnachfolge sei per se nachhaltig und Nachhaltigkeit gehe mit Wirtschaftlichkeit einher. Daher habe sie auch das Förderprogramm FISU unterstützt. Für Schmitt sei klar, dass der Generationengedanke grundsätzlich nachhaltig sei. Wer den Betrieb an einen Nachfolger übergebe, schütze per se Tiere, Boden und Reben. Darüber hinaus unterstützen sehr viele Betriebe das soziale Gefüge in den Dörfern, sei es bei Festivitäten, in der Feuerwehr, während des Karnevals und viele weitere Aktivitäten.

Kritisch geht Schmitt mit den Kritikern der Landwirtschaft um: „Denjenigen, die unsere Teller füllen, gebührt Anerkennung und Respekt. Es ist schlecht, wenn eine laute Minderheit die Politik prägt, während eine ruhige Mehrheit sich mehr und mehr zurückzieht.“

Bildung und Aufklärung seien für Sie weitere wichtige Punkte der Agrarpolitik. Die Landwirtschaft müsse tiefer in das Bewusstsein der Menschen eindringen. Sie erlebe, dass die Verbraucher zwar die Landwirtschaft wertschätzen würden, bei der Auswahl der Lebensmittel aber Wertschätzung vermissen lassen. Dies liege nicht zuletzt an fehlender Aufklärung und Bildung.

Den Weinbaubetrieben gehe es aktuell sehr schlecht. Dabei produzierten gerade die rheinland-pfälzischen Weingüter hervorragende Weine. Diese Tatsache müsse verstärkt nach außen getragen werden. Andere Volkswirtschaften würden hauptsächlich ihre heimischen Weine konsumieren. Dies stünde auch den deutschen Verbrauchern gut zu Gesicht. Hier gebe es noch große Potenziale und Chancen, auch bezüglich möglicher Exporte in Drittstaaten. Gerade in Rheinland-Pfalz präge der Wein wesentlich die Kulturlandschaft. Entsprechend entsetzt sei sie über die Klage von Umweltverbänden gegen die Hubschrauberspritzung in Steillagen gewesen. Dabei sei doch Fakt, dass ohne den Weinbau der Apollofalter nicht überleben könne. Daher habe das Landwirtschaftsministerium gute Arbeit geleistet und die Winzer im Kampf gegen diese ungerechtfertigte Klage unterstützt.

Selbstverständlich fördere das Landwirtschaftsministerium über das FISU-Programm notwendige landwirtschaftliche Technologien. Darüber hinaus unterstütze das Ministerium auch progressive Beratungs- und Versuchstätigkeiten, wie zum Beispiel das Forschungs- und Beratungszentrumzentrum in Klein-Altendorf. Es sei ihr Anliegen, alle landwirtschaftlichen Produktionsbereiche zu stärken, sei es der Obstbau, die Tierhaltung, der Weinbau, der Ackerbau etc.

Große Sorgen bereite ihr der Energiekostenanstieg aufgrund der aktuellen Kriegssituation im Nahen und Mittleren Osten. Auch bezüglich des Mindestlohns hätte sie sich eine landwirtschaftsfreundlichere Entscheidung gewünscht. Schließlich kämen die Menschen nach Deutschland, um Geld zu verdienen, was angesichts der Erhöhungen des Mindestlohns und der damit zunehmenden Aufgabe des Anbaus arbeitsintensiver Kulturen, immer fraglicher werde. Sie habe sich daher für die Streichung der Abgaben für die Sozialversicherungen bei Saisonarbeitskräften eingesetzt. Der Bund habe sich bedauerlicherweise gegen ihren Vorschlag ausgesprochen. Nun steige zusätzlich der Druck auf das Gehaltsgefüge der Arbeitnehmer in den Betrieben. Das bedauere sie sehr.

Landwirtschaftsministerin Schmitt habe die Düngeverordnung nach dem Bundesverwaltungsgerichtsurteil über die bayerische Landesdüngeverordnung, umgehend ausgesetzt. Die Vorschläge über die Ausgestaltung der künftigen Landesdüngeverordnungen sollte mit den Ländern abgestimmt werden. Die Verursachergerechtigkeit müsse dabei eine zentrale Rolle spielen.

Für Schmitt sei klar, dass der Generationengedanke grundsätzlich nachhaltig sei. Wer den Betrieb an einen Nachfolger übergebe, schütze per se Tiere, Boden und Reben. Darüber hinaus würden sehr viele Betriebe das soziale Gefüge in den Dörfern, sei es bei Festivitäten, in der Feuerwehr, während des Karnevals und viele weitere Aktivitäten, unterstützen.

In der anschließenden Diskussion wurden die einzelnen Themen abermals angesprochen und die Betroffenheit in den einzelnen Betrieben erläutert. So wurden unter anderem die Liquiditätsprobleme in den Betrieben, die zu niedrige Steillagenförderung, die zu niedrige Ausgestaltung der Ausgleichszulage in Verbindung mit den aktuell niedrigen Erzeugerpreisen, sowie unnötige Auflagen, wie z.B. die sehr teure Abdeckung von Güllebehältern, diskutiert. Es besteht allseitig der Wunsch und die Forderung, dass die Politik „eine Schippe drauflegen“ müsse. Schmitt machte diesbezüglich klar, dass sie Mittelkürzungen bei der GAK und bei der GAP nicht hinnehmen werde und die vorhandenen Mittel intelligent verteilt werden müssten.

Die Mitglieder des Verbandsrates haben die Politik des Landes aufgefordert, Bürokratie abzubauen, die Förderung in einigen Bereichen aufzustocken und die Landwirtschaft und Forschung, Beratung und Versuchswesen weiter intensiv zu begleiten. Auch die gleiche Behandlung aller Bauern- und Winzerfamilien in Deutschland wurde angemahnt. So gebe es zwischen den Bundesländern oftmals verschiedene Auslegungen gesetzlicher Vorgaben, die in Rheinland-Pfalz häufig strenger umgesetzt würden.

Am Ende der Verbandsratssitzung zeigte sich BWV-Präsident Weber stolz auf die Strukturen des Verbandes, auf dessen qualifiziertes Personal und den Einsatz von Haupt- und Ehrenamt in Politik und Gesellschaft. Im Hinblick auf die aktuellen Kriege gab er zu bedenken, dass die Ansprüche an das Leben, wie wir es zu führen gewohnt seien, nicht mehr selbstverständlich seien. Auch viele NGOs sollten dies registrieren und ihre Aktivitäten überdenken.

Bejagung aggressiver Wölfe: Marco Weber fordert Einrichtung einer Arbeitsgruppe

Koblenz. Am kommenden Freitag, den 27.03.2026, wird im Bundesrat aller Voraussicht nach die lang diskutierte Änderung des Bundesjagdgesetzes und des Bundesnaturschutzgesetzes endgültig beschlossen. Nachdem der Bundestag bereits vor einigen Wochen den Gesetzentwurf verabschiedet hat, ist nunmehr noch die Zustimmung der Länderkammer erforderlich, um den Wolf aus dem Bundesnaturschutzgesetz zu nehmen und stattdessen dem Regime des Jagdrechtes zu unterstellen. Die Neuregelungen werden voraussichtlich Anfang April 2026 und damit in der nächsten Woche in Kraft treten.

BWV-Präsident Marco Weber fordert vom Land Rheinland-Pfalz, sich nun schnellstmöglich mit den praktischen Auswirkungen der neuen gesetzlichen Möglichkeiten zu befassen und kurzfristig eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern der Landwirtschaftsverbände, der Naturschutzverbände sowie der Jägerschaft einzuberufen, um das Prozedere des Abschusses von insbesondere schadstiftenden Wölfen zu besprechen. „Ein Abwarten ist nicht zumutbar, weil die Akteure im ländlichen Raum, vor allem die Weidetierhalter, eine schnelle Umsetzung der neuen, sich bietenden gesetzlichen Möglichkeiten erwarten“, so Weber. „Die Erwartungen sind hoch und dürfen nicht durch „Nichtstun“ des zuständigen Ministeriums erneut enttäuscht werden“.

Wein und Schokolade – eine unmögliche Kombination?

Koblenz. Im Rahmen seiner Reihe „Weingenuss und …“ entführt der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau am Freitag, den 17. April seine Gäste wieder in das „Reich der Genüsse“. Der renommierte Chocolatier Eberhard Schell aus dem württembergischen Gundelsheim verwandelt jede Kakaobohne zur perfekten Schokolade. Bereits in der vierten Generation steht Schell und seine Familie für herausragende Qualität und kreative Schokoladenkreationen. Wein und Schokolade haben sehr viel Gemeinsamkeiten: Beide gehören zu den ältesten Kulturgetränken der Menschheit und haben Terroire, Verarbeitung, Geschmack, Aromen und mehr.

Winzer Carsten Lunnebach kredenzt die Weingenüsse vom gleichnamigen Weingut in Güls. Es wird seit über 100 Jahren geführt. Die Betriebsphilosophie „Qualität statt Quantität“ hat oberste Priorität. Neben zahlreichen Auszeichnungen erhielt das Weingut Lunnebach im Jahr 2000 den Ehrenpreis der Stadt Koblenz. Die Kombination beider Traditionsunternehmen und ihrer Genüsse lassen einen erlebnisreichen Abend erwarten.

Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau verspricht wieder einen kurzweiligen Abend. Die Teilnehmergebühr beträgt 30,00 €.

Informationen und Anmeldungen bitte an: Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau, Karl-Tesche-Straße 3, 56070 Koblenz, Telefon: 0261-9885-1112, E-Mail: presse@bwv-net.de oder hier online über die Homepage.

Rechtsgutachten bestätigt BWV: Mindestlohn-Sonderreglung ist möglich und muss umgesetzt werden

Koblenz. Der Mindestlohn belastet die Landwirtschaft und den Weinbau in Deutschland sehr stark. Aktuelle Stundensätze in Höhe von 13,90 Euro und ab 1. Januar 2027 14,60 Euro für landwirtschaftliche Saisonarbeitskräfte führen unweigerlich zu Arbeitsplatzverlusten unter den saisonalen Mitarbeitern und schließlich bei den landwirtschaftlichen Betrieben. Ein 140 Seiten umfassendes Rechtsgutachten des renommierten Professors Dr. Christian Picker, Inhaber des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht und Arbeitsrecht an der Universität Tübingen, kommt zu einem eindeutigen Ergebnis. Ein Mindestlohnabschlag in Höhe von bis zu 20 Prozent verstoße weder gegen das Grundgesetz noch gegen europäisches Recht. Eine Sonderregelung wäre zulässig, um Beschäftigte vor Arbeitsplatzverlusten zu schützen. Es sei nicht Ziel der Mindestlohnregelung, Existenzen wirtschaftlich zu gefährden. Negative Auswirkungen auf die Beschäftigung, die Wertschöpfung und Versorgungssicherheit seien mit zu hohen Mindestlohnsätzen nicht vereinbar.

Der Präsident des Bauern und Winzerverbandes Rheinland Nassau, Marco Weber, sieht sich in seiner Forderung gegenüber der Bundesregierung bestätigt, endlich aktiv zu werden und den für die Versorgungssicherheit Deutschlands wichtigen Wirtschaftszweig zu unterstützen: „Die deutsche Landwirtschaft ist Teil einer globalen Wirtschaft und konkurriert mit internationalen Lebensmittelproduzenten. Mit überhöhten Mindestlöhnen kann ein hier ansässiger Landwirt, der gegen inner- und außereuropäische Importwaren ankämpfen muss, nicht konkurrieren. Es wird endlich Zeit, dass die Bundesregierung dies erkennt, anerkennt und die Konsequenzen zieht.“

Der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Arbeitgeberverbandes in Rheinland-Nassau, Thomas Richter, verlangt zwingend mehr Einsatz der kommenden Landesregierung für die Bauern und Winzer in Rheinland-Pfalz: „Wir leben in dem Bundesland mit dem deutschlandweit höchsten Anteil an Sonderkulturen. Es ist wichtig, dass sich die Verbraucher künftig noch heimisches Obst, Gemüse und Wein leisten können. Auch der Mindestlohn muss dazu beitragen, die heimischen Sonderkulturbetriebe konkurrenzfähig zu erhalten. Darüber hinaus verliert das Land ohne eigene Betriebe das Produktions-Know-how. Der Arbeitgeberverband verlangt gemeinsam mit allen anderen berufsständischen Organisationen in Rheinland-Pfalz, dass Sonderregelungen für die Landwirtschaft und den Weinbau in den kommenden Koalitionsverhandlungen Berücksichtigung finden müssen“, mahnt Richter an.

Thomas Kreuter, Obstbauer und Vorsitzender des Koblenzer Obstbaurings, macht darauf aufmerksam, dass die Kosten für landwirtschaftliche Produkte dem freien Spiel von Angebot und Nachfrage unterliegen. Das Angebot an Äpfeln sei aktuell sehr hoch und die Erzeugerpreise niedrig. Die Bewirtschaftung der Flächen ist aktuell nicht kostendeckend: „Wie sollen unsere Sonderkulturbetriebe hohe Mindestlöhne bezahlen, ohne Verluste einzufahren? An Investitionen ist dabei gar nicht mehr zu denken. Darüber hinaus werden unsere Hofnachfolger völlig verunsichert und tragen sich mit dem Gedanken, die Betriebe eben nicht zu übernehmen. Dabei leben die Saisonarbeitskräfte ihr Einkommen in ihren Heimatländern von den in Deutschland erzielten Einkommen. Die Lebenshaltungskosten und auch die dortigen Mindestlöhne sind hingegen deutlich niedriger als hier. Die politisch Verantwortlichen müssen jetzt schnell umdenken und vor allem handeln!“

Eine Gruppe aus acht Verbänden, darunter der Deutsche Bauernverband und der Gesamtverband der deutschen land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände, haben das Gutachten von Professor Picker in Auftrag gegeben, um Rechtssicherheit zu erlangen. Das Gutachten stellt klar, entgegen den Aussagen der Bundesregierung, dass eine Sonderregelung durchaus eingeführt und umgesetzt werden kann.

BWV-Präsident Marco Weber: „Wenn die Politik keine Reformen wagt, muss die Verwaltung abspecken – Jahr für Jahr!“

Koblenz. Rheinland-Pfalz braucht endlich eine echte Verwaltungsreform. Der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau Marco Weber fordert politisches Aufwachen nach dem TV-Duell der Ministerpräsidentenkandidaten Alexander Schweitzer (SPD) und Gordon Schnieder (CDU).

Der Bauernpräsident zeigte sich enttäuscht über den Mangel an Reformwillen: „Das war ein Duell ohne Feuer und ohne Reformideen. Weder Herr Schnieder noch Herr Schweitzer haben erkennen lassen, dass sie bereit wären, mutige Schritte in Richtung eines schlanken, effizienten Staates zu gehen. Wer die Probleme nur verwaltet, wird sie niemals lösen.“ Weber fordert deshalb eine grundlegende Neuordnung der öffentlichen Verwaltung – insbesondere auch der Agrarverwaltung, die zunehmend als bürokratisches Hemmnis für die landwirtschaftlichen Betriebe empfunden wird. „Wir brauchen weniger Papier, weniger Paragraphen und mehr Pragmatismus“, so Weber. „Wenn es die Politik nicht schafft, Bürokratie abzubauen, dann muss ein klarer Mechanismus eingeführt werden: Jedes Jahr zehn Prozent weniger Gesetze, Verordnungen und auch weniger Verwaltungspersonal. Eine Rasenmäher-Methode wäre ehrlicher als das immerwährende Gerede von ‚Entbürokratisierung‘, die am Ende doch niemand mit Herzblut angeht.“

Weber appelliert an die künftige Landesregierung, über Parteigrenzen hinweg den Reformkurs einzuschlagen: „Wir benötigen keine neuen Versprechen, sondern weniger Vorschriften. Das wäre die beste Unterstützung für alle, die in diesem Land hart arbeiten. Eine staatliche Selbstverpflichtung, die Bürokratie deutlich abzubauen ober alternativ Gesetze und Auflagen nach strengen Vorgaben abzuschaffen, würde in vielerlei Hinsicht Zeichen setzen. Alles andere ist nicht mehr glaubwürdig.“

Wolfsmanagement – BWV und IGJG begrüßen Änderung des Bundesjagdgesetzes

Koblenz. Nach jahrelanger Diskussion sind auf der Bundesebene nun endlich die Weichen dafür gestellt worden, ein effizientes Wolfsmanagement in Deutschland auf den Weg zu bringen und aggressive Wölfe entnehmen zu können. Der Bundestag hat am 05.03.2026 die Änderung des Bundesjagdgesetzes beschlossen, wonach der Wolf in Zukunft grundsätzlich bejagt werden kann. Damit wird eine langjährige Forderung des landwirtschaftlichen Berufsstandes erfüllt. Der Bundesrat muss dem Gesetz allerdings Ende März noch zustimmen.

„Eine gute Entscheidung insbesondere für die Weidetierhalter in den rheinland-pfälzischen Mittelgebirgsregionen“ so unisono der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Marco Weber, sowie der Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer, Josef Schwan. Nun erwarten beide, dass auf Landesebene schnell die notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden, um ein effektives regionales Wolfsmanagement zu etablieren und vor allem die rechtlichen Voraussetzungen zur schnellen Entnahme von schadstiftenden Wölfen zu schaffen. Das müsse, so Weber und Schwan, bereits kurzfristig geschehen. Die Erwartungen an schnelle Entscheidungen und an die praktische Umsetzungen seien vor allem aus Sicht der Weidetierhaltung groß.

BWV: Die Düngeverordnung muss die Leistungen der Bauern stärker berücksichtigen

Koblenz. Im Rahmen des Fachausschusses pflanzliche Produktion, erneuerbare Energien und nachwachsende Rohstoffe des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau (BWV) diskutierten die Teilnehmer und Gäste über das aktuelle Bundesverwaltungsgerichtsurteils über die bayerische Landesdüngeverordnung und die Auswirkungen für Rheinland-Pfalz. Der Fachausschussvorsitzende Harald Schneider konnte zu diesem Thema die fachkundigen Referenten Dr. Friedhelm Fritsch vom Landwirtschaftsministerium und Dr. Stefan Sauer vom Landesamt für Umwelt begrüßen.

Zu Beginn der Sitzung kritisierte Harald Schneider die Biogas-Politik der Bundesregierung scharf: „Die Erzeugung von Biogas ist in Deutschland offensichtlich nicht mehr gewollt. Bundesministerin Katherina Reiche plant keine weitere Unterstützung der aktuell vorhandenen Biogasanlagen. Im Gegenteil, nach Auffassung von Schneider wird offensichtlich eher die Aufgabe landwirtschaftlicher Betriebe begrüßt, um deren Flächen gewerblich oder für Wohnbaugebiete nutzen zu können. Darüber hinaus kritisierte er, dass die Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft) zu Lasten der Betreiber missbraucht werde, um Abdeckungen für Güllebehälter installieren zu müssen. Die Vorteile von natürlich entstehenden Schwimmschichten werde hingegen in Rheinland-Pfalz nicht anerkannt bzw. ignoriert.

Dr. Friedhelm Fritsch erläuterte während seines Vortrages die Auswirkungen der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichtes zur Düngeverordnung. Die Roten Gebiete bestünden rechtlich weiter, die Auflagen würden hingegen ausgesetzt. Das Bundeslandwirtschaftsministerium habe sich über die künftige Ausgestaltung der Gebiete bisher nicht geäußert, obwohl seit Ende Januar die ausführliche Begründung des Bundesverwaltungsgerichtes zum Urteil vorliege. Die Bewirtschafter seien nun lediglich verpflichtet, die Kulturen nach Bedarf zu düngen. Man habe bereits festgestellt, dass eine Reduzierung der Düngung um 20 Prozent offensichtlich keinen nachteiligen Effekt auf das Grundwasser habe. Die Regeln der Düngeverordnung, zusammengefasst im Merkblatt aus dem Jahr 2020 des Landes Rheinland-Pfalz, würden weiterhin gelten. Jetzt müsse der Bund ein Aktionsprogramm zur Düngepraxis erstellen. Nach Fritsch wäre die Ausweisung belasteter Gebiete grundsätzlich nicht notwendig. Die Fachkenntnisse der Bäuerinnen und Bauern, kombiniert mit einer Stickstoffdünger-Bedarfsermittlung wäre völlig ausreichend.

Auf die Frage der Vorgehensweise bezüglich Düngung auf gefrorenen Boden, erklärte Fritsch, dass das Ausbringen organischer Düngemittel auf morgendlich gefrorenem Boden bei anschließendem Auftauen derzeit sehr kontrovers diskutiert werde. Verschiedene Bundesländer legten diesen Bereich der Düngeverordnung unterschiedlich aus, was zu Unsicherheiten bei den Anwendern führe. Dem BWV sind bisher keine Sanktionen bekannt geworden, sofern ein verantwortungsvoller Umgang mit organischen Düngemitteln bei gefrorenen Böden und anschließendem Tauwetter belegt werden könne (RBZ und BWV berichteten).

Der für die Ausweisung der Grundwassermessstellen zuständige Referent im Landesamt für Umwelt, Dr. Stephan Sauer, erklärte, dass es aktuell 448 Grundwassermessstellen gebe. Die Messstellen liefern die fachlichen Daten über den Zustand und die Veränderungen der Grundwasserqualität in Rheinland-Pfalz. Ziel sei es, landesweit 600 bis 630 zu errichten. Bei 196 Messstellen seien denitrifizierende Vorgänge zu erwarten. Sauer erläuterte die Hintergründe, die zur Ausweisung der Messstellen führen. Anschließend diskutierten die Teilnehmer über die Dichte der Messstellen und deren Bedeutung für den vermeintlichen Einfluss der einzelnen landwirtschaftlichen Betriebe auf die Qualität des Grundwassers.

Ein weiteres Thema der Fachausschusssitzung war der Umgang mit Nachbauerklärungen. Die zuständige Referentin des Deutschen Bauernverbandes, Katharina Geiger, informierte über die aktuelle Diskussion zu den Nachbauerklärungen nach dem Ernteguturteil von November 2023. Dieses Urteil wird derzeit von der Saatgut-Treuhand als Grundlage angesehen, um vom Handel und den Landwirten umfangreiche Auskünfte über deren Anbau zu verlangen. Hier diskutiere der Berufsstand sehr kontrovers, sodass es aktuell keine einheitliche „Marschrichtung“ gebe. Leider ergibt sich daraus nach wie vor eine Unsicherheit im praktischen Umgang, die nach Auffassung der Teilnehmer schnellstmöglich bis zur Erntezeit geklärt werden müsse.

Der Vorsitzende Harald Schneider zeigte sich abschließend zuversichtlich über die künftige Umsetzung der Düngeverordnung in Bund und Land, bezüglich der Zukunft der Biogasbetriebe sei hingegen ein Richtungswechsel der Berliner Politik gerade zur Stärkung der Landwirtschaft sowie der sicheren Energieversorgung in den ländlichen Regionen unabdingbar.

Alexander Schweitzer stellt sich den Fragen der Bauern und Winzer

Koblenz. Auf Einladung des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau (BWV) stellte sich der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer im Koblenzer Verbandshaus den Fragen der anwesenden Bäuerinnen, Bauern, Winzerinnen und Winzer. Der BWV hatte zuvor die Mitglieder des Verbandes zu dieser Veranstaltung eingeladen. Zu Beginn wies BWV-Präsident Marco Weber auf die wichtige Bedeutung der Landwirtschaft in Rheinland-Pfalz hin. Milchviehhaltung, Schweinehaltung, zwei Schlachthöfe, Ackerbau, Grünland, Sonderkulturen und Weinbau seien Ausdruck der Vielfalt der bäuerlichen Arbeit. Die Landwirtschaft und der Weinbau würden gerade mit dieser Vielfalt die regional unterschiedlichen Kulturlandschaften prägen.

Die landwirtschaftliche Arbeit sei aber auch verletzlich, so Weber. Ein Hagelschlag könne beispielsweise über das Wohl und Wehe eines Betriebes entscheiden. Daher sei die finanzielle Unterstützung der Ernteversicherung, damit diese durch die Betriebe wirtschaftlich genutzt werden könnten, von großer Bedeutung. Der BWV arbeite intensiv für alle wichtigen Anliegen der landwirtschaftlichen und weinbaulichen Betriebe. So stehe aktuell die Weiterentwicklung der Düngeverordnung an, das Landeswassergesetz, das Landesnaturschutzgesetz und auch die künftige Ausgestaltung der Junglandwirteförderung sei von großer Wichtigkeit. Die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Zukunft der Hofnachfolger müssten stimmen, forderte Weber. Der BWV werde nicht nachlassen, als Stimme der Landwirtschaft und des Weinbaus, wichtige Themen und Anliegen in die Landespolitik einzubringen.

Ministerpräsident Alexander Schweitzer erläuterte zu Beginn seines Statements, dass er bis vor einigen Jahren keine Probleme für den rheinland-pfälzischen Weinbau gesehen habe. Die Arbeit in den Weinbergen, die Kellerwirtschaft, die Ausbildung sowie die Vermarktungsstrukturen seien vorbildlich. Nun hätten sich die Rahmenbedingungen für die Winzer, beispielsweise das Konsumverhalten der Menschen, geändert. Die Kultur des bewussten Konsums sei einer Kultur der Angst gewichen. Dabei werde die Diskussion über den Konsum von Alkohol von vielen Menschen wahrgenommen. Er werde hingegen auch weiterhin guten Wein aus unseren Regionen genießen wollen. Weitere Auswirkungen habe die Zollpolitik der USA: „Das hätten wir nicht auch noch gebraucht“, machte Schweizer deutlich. Das Land werde weiterhin mit den guten Qualitäten des heimischen Weins auf die Menschen zugehen. Drei Millionen Euro stelle alleine das Land für den Weinbau bereit. Dies sei aber, so Schweizer, noch nicht das Ende der Fahnenstange. Das Thema Weinbau sei mittlerweile auch beim Bund angekommen. Daher sei ein kleines Weinbaupaket auf Bundesebene geschnürt worden. Er bedauere, dass die US-Administration Geschmack an ihrer Zollpolitik gefunden habe. Das Land dürfe sich daher nicht nur an volkswirtschaftlichen Kennzahlen orientieren, sondern auch an den nicht-wirtschaftlichen Aspekten der Landwirtschaft und des Weinbaus.

Der Erhalt der Kulturlandschaft sei für ihn äußerst wichtig. 70 Prozent aller Menschen des Landes lebten in ländlichen Räumen. Gerade die Felder, die Wälder und die Vielfalt der Strukturen gehörten zur Lebensvielfalt unseres Landes dazu.

Ihm liege auch der Abbau der Bürokratie am Herzen, weshalb er in seiner Amtszeit bereits ein umfangreiches Bürokratieabbaupaket verabschiedet habe, in dem 57 Einzelmaßnahmen enthalten seien: „Wir müssen uns trauen, manche Vorgehensweisen einfach wegzulassen, Berichte nicht mehr zu erstellen. Viele davon werden ohnehin nur genutzt, um Handlungsfehler nachweisen zu können.“ Damit komme ein Land nicht weiter, so dass die Rücknahme überflüssiger Regelungen notwendig sei. Bereits heute gebe es weniger Landesverordnungen als noch zu Beginn der 90er Jahre.

Schweitzer stehe klar hinter dem Einsatz von Drohnen im Weinbau. Diese unterstützten den Pflanzenschutz und seien daher unerlässlich. Auch müsse das Land die Rahmenbedingungen auf europäischer Ebene im Blick behalten. Alle von der Europäischen Union für den Agrarsektor bereit gestellten Mittel müssten im bisherigen Umfang beibehalten werden. Außerdem müssten über deren Verwendung zunehmend die Länder entscheiden und nicht die Hauptstädte. Die Länder stünden schließlich näher an den Problemen und Wünschen der Betriebe und der Bevölkerung, so dass vor allem auf regionaler Ebene über sachgerechte Verwendungen der Mittel entschieden werden solle.

Mit Unverständnis reagierte Schweitzer auf das Verhalten des Lebensmitteleinzelhandels. Nicht zuletzt aufgrund deren Verhalten habe die Landwirtschaft in der vergangenen Zeit große Einbußen erlitten. Die Monopolstrukturen des LEH müssten gebrochen werden. Als Beispiel nannte Schweitzer die Praxis, dass Lebensmittel aus Übersee eingeführt würden, obgleich wenige Kilometer entfernt die gleichen Produkte angebaut würden.

Zur Sicherheit eines Landes gehörten, so machte Schweitzer deutlich, selbstverständlich die Ordnungskräfte und Rettungsdienste, aber auch die Ernährungssicherheit. Sie sei in Notsituationen von allergrößter Bedeutung, um für die Bevölkerung dringend benötigte Nahrungsmittel aus der Region bereitstellen zu können. Daher müsse auch in Friedenszeiten die Lebensmittelerzeugung gesichert werden, um sie in Notzeiten nutzen zu können. Dieses Thema werde er in der Ministerpräsidentenkonferenz, dessen Vorsitzender er derzeit sei, weiter und stetig vorbringen.

In der anschließenden Diskussion forderte LandFrauenpräsidentin Gudrun Breuer einen sensibleren Umgang mit der Gesundheitsversorgung der ländlichen Räume. Als Beispiel nannte sie die geplante Schließung des Krankenhauses in Prüm. Kreis und Kommunen seien geschockt. Ohne dieses Krankenhaus sei die Regionalversorgung nicht mehr gesichert. Darüber hinaus seien 430 Arbeitsplätze in Gefahr. Schweitzer machte darauf aufmerksam, dass es in Rheinland-Pfalz zirka 90 Plankrankenhäuser gebe. Das Land habe 500 Millionen Euro an Landesmitteln für die Krankenhausstrukturen des Landes vorgesehen. Sogenannte Regiokliniken würden perspektivisch in den Regionen installiert werden. Diese müssten aber auch durch Mittel des Bundes und der Krankenkassen unterstützt werden. Schweitzer sagte seine Unterstützung für eine Optimierung der Krankenhausstrukturen im ländlichen Raum zu.

Der Landjugendvorsitzende Fabian Schüller sieht die Zukunft der landwirtschaftlichen Ausbildung angesichts des akuten Lehrermangels bedroht. Schweitzer entgegnete, dass das Land an einer Fachkräftestrategie arbeite. Hier säßen auch die grünen Berufe mit am Tisch. Wo Lehrermangel herrsche, werde versucht, qualifizierte Lehrer über den freien Markt zu gewinnen. Er machte deutlich, dass die DLRs erhalten blieben und gestärkt würden. Die Jugend und der Nachwuchs für die Betriebe liege Schweitzer besonders am Herzen, weshalb die Niederlassungsbeihilfe im Landeshaushalt ein wichtiger Posten sei, um junge Landwirte bei der Übernahme von Verantwortung in landwirtschaftlichen Betrieben zu unterstützen.

BWV-Vizepräsident Harald Schneider macht sich über die am Boden liegenden Märkte und die Biogasproduktion in Rheinland-Pfalz große Sorgen. Biogas sei offensichtlich politisch nicht mehr gewollt, auch wenn er sie persönlich als sehr wichtig erachte. Er forderte Schweitzer auf, sich dafür einzusetzen, dass die Ernährungs- und Bioenergiesicherheit ins Grundgesetz aufgenommen werde. Auch müsse der Bürokratieabbau schleunigst angepackt und unterschiedliche Regelungen in den Bundesländern abgeschafft werden. Es sei indiskutabel, dass in Rheinland-Pfalz Güllebehälter teuer abgedeckt werden müssten, während in anderen Bundesländern die sich natürlich entwickelnden Schwimmschichten völlig ausreichen würden. Schweitzer bestätige die Aussagen Schneiders, wonach Rheinland-Pfalz kleine, dezentrale Biogasanlagen benötige. Diese gelte es zu erhalten. Rheinland-Pfalz sei aufgrund seiner ländlichen Strukturen und der geografischen Besonderheiten mit anderen Bundesländern nicht zu vergleichen.

Hühnerhalter Maximilian Heier kritisierte ebenfalls die unsägliche Bürokratie. Da er die Eierproduktion ausdehnen wolle, wolle er einen Stall umbauen und einen Neubau in Angriff nehmen. Der gestellte Förderantrag sei äußerst kompliziert gewesen, anschließend warte er bereits seit fünf Wochen nur auf eine Vollständigkeitsbestätigung der Behörde. Das sei unerträglich. Alexander Schweitzer stimmte ihm zu: „Wir müssen schneller werden.“

Milchviehhalterin Sabrina Groß aus Betzdorf macht sich Sorgen um die Entwicklung der landwirtschaftlichen Strukturen in Rheinland-Pfalz. Deutschland sei kein Selbstversorger mehr. Viele Betriebe würden gerade aufgrund der aktuellen Rahmenbedingungen keine Hofnachfolger mehr finden. Zudem habe sie den Eindruck, dass Fördergelder hauptsächlich in bestimmte Betriebsformen fließen würden. Schweitzer entgegnete, dass sich die Agrarförderung nicht nur auf die ökologische Landwirtschaft beziehen dürfe, denn auch die konventionelle Landwirtschaft produziere mit hohen Standards nachhaltig. Für ihn sei die Förderung der Landwirtschaft eine Frage der nationalen Sicherheit, um Lebensmittel und Rohstoffe hier in Deutschland produzieren zu können. Daher sollten alle Lebensmittelproduzenten im Land unterstützt werden, unabhängig von der Produktionsrichtung.

Bianca Belleflamme, Vorsitzende der Bürgerinitiative Wolfsprävention Westerwald, brachte die Sorgen der Weidetierhalter über die aktuelle Wolfssituation zum Ausdruck. Trotz der vielen Gespräche und des Verständnisses, das den Weidetierhaltern entgegengebracht würde, nehme sie keine spürbaren Veränderungen wahr. Schweitzer entgegnete, dass er die Wolfsthematik sehr ernst nehme und daher auch Gespräche in der Staatskanzlei mit ihr und weiteren Vertretern des landwirtschaftlichen Berufsstandes stattgefunden hätten. Das Verhältnis zwischen Wolf, Weidetierhalter und Bürger müsse aus seiner Sicht neu justiert werden. Er sehe die Verunsicherung in der Bevölkerung und bei den Tierhaltern. Die Voraussetzungen für die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht in Rheinland-Pfalz habe man schon im vergangenen Jahr geschaffen. Er werde weiterhin den Kontakt zu den Weidetierhaltern halten. BWV-Präsident Marco Weber fügte hinzu, dass es auf Bundesebene weitere Aktivitäten gebe, um den Wolf ab dem 1. April 2026 ins Bundesjagdgesetz aufzunehmen. Das werde auch im Land zu einer größeren Rechtssicherheit, vor allem beim Umgang mit reißenden Wölfen, führen. Weber appellierte an Landwirtschaft und Bevölkerung, sich bei der möglichen Entnahme von Wölfen hinter die Jäger zu stellen und an den Zusammenhalt der Menschen im ländlichen Raum.

Der Kreisvorsitzende des Westerwaldkreises, Matthias Müller, zeigte sich erbost über die Grünlandkartierung des Landes Rheinland-Pfalz. Mit dieser Kartierung würden alleine im Westerwald 6.000 Hektar an Flächen zusätzlich mit Auflagen belastet werden. Dabei bewirtschafte die Landwirtschaft bereits 3.000 Hektar im Rahmen kooperativer Naturschutzmaßnahmen. Zusätzlich geforderte Flächen bereiten den Betrieben sehr große Sorgen. Weitere Einschränkungen in ihrer Arbeit würden unweigerlich zu wirtschaftlichen Einbußen und somit zu Unmut führen. Außerdem seien die Umgangsformen zwischen den Naturschutzbehörden und der Landwirtschaft aus seiner Sicht dringend zu verbessern. Der Ministerpräsident machte deutlich, dass die Landwirtschaft und der Naturschutz mittlerweile enger zusammenarbeiten würden. Gerade die Initiative Schulterschluss Artenvielfalt mache deutlich, dass sich die verschiedenen Gruppierungen zunehmend annähern würden. Ihm seien gemeinsame Positionen und Projekte zwischen Landwirtschaft und Naturschutz sehr wichtig. Gerade was die Nutzung von Flächen und deren Verbrauch für außerlandwirtschaftliche Zwecke angehe, sei ein breiter Konsens vonnöten. Er denke dabei auch an die Nutzung von Flächen für Wohnraum und an Ausgleichsflächen. Müller machte nochmals deutlich, dass der Flächenverbrauch reduziert werden müsse und zusätzliche Auflagen über die Grünlandkartierung die Landwirtschaft nicht noch weiter einschränken dürfe. Marco Weber ergänzte, dass die Grünlandkartierung einen Zugriff auf das Eigentum darstelle und die Verfügbarkeit von Flächen für die landwirtschaftlichen Nutzung zusätzlich verringere. Hinzu komme der Flächenbedarf für Wohnungs- und Gewerbebebauung. Schweitzer führte aus, dass ihm diese Situation bewusst sei und erklärte, dass es wirksame Konsequenzen für den Schutz landwirtschaftlicher Produktionsflächen geben müsse.

Tierhalter Josua Höfer bat den Ministerpräsidenten, sich für wirkungsvolle Maßnahmen zum Schutz der Landwirtschaft gegen Importe auszusprechen, die nicht den Standards der hiesigen Produktion entsprechen. Schweitzer erläuterte, dass er froh über das Mercosur-Abkommen sei. Die Industrie sei für das Wachstum der Wirtschaft und den Wohlstand der Bevölkerung maßgeblich von Bedeutung. Dennoch sei es für ihn wichtig, dass die Landwirtschaft gegenüber Billigprodukten wirkungsvoll geschützt werden müsse. Es gebe im Rahmen des Mercosur-Abkommens entsprechende Schutzmechanismen, die aus seiner Sicht allerdings auch angewandt werden müssten. Ihm liege viel daran, die geltenden Regeln auch durchzusetzen, um die Landwirtschaft vor möglichen negativen Auswirkungen in Schutz zu nehmen.

Ulrich Bayer, Leiter des Schlachthofes in Niederwallmenach, bat den Ministerpräsidenten, sich für den Bau der Mittelrheinbrücke einzusetzen, der seinem Wirtschaftsbetrieb schmerzlich fehle. Er habe eine enge Bindung an die Nutztierhalter im Land und sein Sohn habe Interesse an der Fortführung des Schlachthofes. Der Betrieb müsse allerdings jährlich 400.000 Euro an Fleischbeschau-, Konfiskat- und Abwassergebühren leisten. Bayer habe den Eindruck, dass sein Betrieb weniger staatliche Unterstützung, beziehungsweise Berücksichtigung erhalte, als andere mittelständische Unternehmen. Ministerpräsident Schweitzer stellte klar, dass niemand das Recht habe, Branchen unterschiedlich zu behandeln. Er werde sich seine Kritikpunkte ansehen und offensichtlichen Ungerechtigkeiten entgegentreten.

Obstbauer Tim Kirch möchte den landwirtschaftlichen Betrieb seiner Familie übernehmen, aber als Obstbauer sei die Wirtschaftlichkeit seines Betriebes sehr vom Mindestlohn abhängig, der kontinuierlich steige. Sein Betrieb könne mit vergleichbaren Unternehmen anderer Länder nicht mithalten. Schweitzer entgegnete, dass er froh über den Mindestlohn sei, da die Tarifautonomie an dieser Stelle nicht funktioniert habe. Er machte jedoch auch deutlich, dass es mit der Berliner Koalition auf Bundesebene keine Ausnahme für die Landwirtschaft geben werde. Er werde sich allerdings dafür einsetzen, vor allem für den Bereich der Saisonarbeitskräfte in Landwirtschaft und Weinbau Möglichkeiten zur Verbesserung der Situation umzusetzen.

Winzer Winfried Persch kritisierte die Bürokratie, die er im Rahmen einer Förderung für eine Maschine durchleben musste. Das zuständige DLR wechsle kontinuierlich die Ansprechpartner und verlange immer weitere Belege, obwohl diese bereits eingereicht seien. Schließlich stimme die Preisbindung nicht mehr, was darin begründet sei, dass die Antragsbearbeitung zu viel Zeit benötigt habe. Das sei absolut inakzeptabel, so Persch. Schweitzer sei bereit konkret zu helfen. Wenn eine Antragsgewährung zu lange dauere, müsse Abhilfe zugunsten der Antragsteller geschaffen werden.

Regina Schlemper stellte eine Frage nach der Überführung des Bundes- in das Landesjagdrecht und über die künftigen Planungen bezüglich der des Wolfsmanagements. Schweitzer machte deutlich, dass die Debatte derzeit beim Bund geführt würde. Die Länder hingegen sollten sich bezüglich einer gemeinsamen und Vorgehensweise abstimmen, weil sich der Wolf ja schließlich nicht an Landesgrenzen halte. Die Diskussion darüber dauere weiter an, so der Ministerpräsident.

Tierhalterin Ellen Becker kritisierte, dass nur ein Labor für den Nachweis von Wolf-DNA zugelassen sei. Neben dem Senckenberg-Institut müsse es weitere Labors geben, um unabhängige Ergebnisse erhalten und Zweifel an den Ergebnissen bei einem Rissereignis über einen Verursacher ausräumen zu können. Schweitzer betonte, dass seine Position klar sei und er mit den Nachbarländern über die praktische Umsetzung des Wolfsmanagements sprechen werde. Marco Weber forderte in diesem Zusammenhang ein schnellstmögliches Handeln bei der Übernahme und Anwendung der sich abzeichnenden bundesrechtlichen Regelungen in Rheinland-Pfalz.

Winzer Matthias Knebel wünscht sich eine finanzielle Unterstützung bei der Sanierung von Terrassen in Steillagen. Der Erhalt sei so teuer, dass er sie als Betrieb nicht alleine tragen könne. Es sei ihm nicht möglich, das Landschaftsbild auf Dauer zu erhalten. Hier machte Ministerpräsident Schweitzer eine deutliche Zusage. Die notwendigen Beiträge würden in den Landeshaushalt eingestellt werden. Schließlich gehe es um den Weinbau und das kulturelle Erbe in den jeweiligen Regionen, so dass das Land hier gefordert sei, die notwendige Unterstützung zu leisten.

Der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes, Marco Weber, dankte den Teilnehmern am Ende der kurzweiligen Veranstaltung dafür, dass sie gegenüber dem amtierenden Ministerpräsidenten viele wichtige Brennpunkte der Landwirtschaft und des Weinbaus angesprochen hätten. Er bot Alexander Schweitzer an, bei anstehenden Koalitionsverhandlungen als kompetenter Partner für die Interessen von Landwirtschaft und Weinbau zur Verfügung zu stehen. Deren Themen seien schließlich sehr vielfältig und sehr spezifisch. Er bat die verantwortlichen Politiker, daran zu denken, dass die Landwirtschaft nicht kurzfristig, sondern in Generationen denke und handele. Dafür benötigte sie aber auch Unterstützung und vor allem einen Abbau der Bürokratie. Schweitzer freute sich über dieses Angebot und betonte, dass es aus seiner Sicht um ein konstruktives Miteinander bei landwirtschaftlichen und weinbaulichen Themen gehe.

Seminar für Winzer – Raus aus der Komfortzone – neue Kunden kommen nicht von alleine!

Koblenz. Ausruhen auf dem bekannten Kundenstamm? Genügt das? Wer das verneint, kann Geld und Zeit sparen. Winzerinnen und Winzer, die sich weiterbilden und neue Kunden gewinnen möchten, sollten das Seminar mit Verkaufstrainer und Autor Sascha Bartnitzki am 18. März 2026 von 09:30 bis 16:00 Uhr in der Hauptgeschäftsstelle des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau in Koblenz besuchen.

Bartnitzki erläutert Verkaufstechniken, wie Kniffe und Verkaufsrhetorik, das aktive Verkaufen und Vermarkten sowie Besonderheiten des Weinverkaufens und deren wirkungsvoller Einsatz. Warum die „WIE“ und „WAS“-Faktoren über den Verkaufserfolg bestimmen, zielgenaue Kundenansprache in der Vinothek, optimierte Fragetechnik und aktives Zuhören, also alles Wichtige von der Weinprobe zum Verkauf, werden von Sascha Bartnitzki vorgestellt.

Die Seminargebühr beträgt für Mitglieder des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau 220 Euro und 310 Euro für Nichtmitglieder.

Informationen und Anmeldungen bitte an: Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V., Karl-Tesche-Straße 3, 56073 Koblenz, Telefon: 0261 9885-1112, E-Mail: presse@bwv-net.de oder hier online über die BWV-Homepage.

Pflanzenschutzmittel Kartell – Klagephase eingeleitet

Koblenz. Das Bundeskartellamt hatte im Jahr 2020 Bußgelder in Millionenhöhe gegen Großhändler, die mit Pflanzenschutzmitteln handeln, verhängt. Hintergrund waren unzulässige Preisabsprachen, die im Zeitraum zwischen 1998 und 2015 zu höheren Preisen insbesondere bei den Endkunden als Verwender der Pflanzenschutzmittel geführt haben.

Insgesamt waren acht Großhändler von den Bußgeldern betroffen. Für Landwirte, die finanzielle Nachteile durch diese Preisabsprachen erhalten haben, gab es die Möglichkeit, sich im Rahmen von Sammelklagen zusammenzuschließen und die Ansprüche gebündelt geltend zu machen. Nach einer langjährigen Phase, in denen umfangreiche Vorbereitungen und Recherchen notwendig waren, wurden mittlerweile drei Klageverfahren bei den Landgerichten Kiel und Dortmund eingeleitet. In den Verfahren werden die Ansprüche mehrerer tausend Betriebe in dreistelliger Millionenhöhe geprüft. Nach Einschätzung der auf Kartellrecht spezialisierten Rechtsanwälte, die die Landwirte zur Durchsetzung möglicher Schadensersatzansprüche vertreten, ist mit einer mehrjährigen Verfahrensdauer zu rechnen.