Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

30.06.2017- Bauern- und Winzerverband warnt vor Mitnahme von Lebensmitteln

Afrikanische Schweinepest bei Wildschweinen in Tschechien festgestellt

Koblenz. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat aktuell darauf hingewiesen, dass in Tschechien, ca. 250 km südöstlich von Prag, erstmals Fälle der Afrikanischen Schweinepest (ASP) aufgetreten sind. Die Tierseuche wurde am 27. Juni 2017 bei zwei verendeten Wildschweinen in der südöstlichen Region um Zlin, im Rahmen von Monitoring-Untersuchungen, nachgewiesen. Wie das Virus dorthin gelangt ist, bleibt unklar. Die Entfernung bis zur deutschen Grenze dürfte schätzungsweise ca. 300 km betragen. Die Maßnahmen der ASP-Richtlinie 2002/60/EG werden angewandt. Bei den 6.000 Schweinen eines nahegelegenen Betriebes wurden Blutproben gezogen. Im Umkreis von zehn Kilometern um den Fundort der Wildschweine wurde eine Sperrzone eingerichtet.

Bisher war der räumlich nächstgelegene Nachweis 400 Kilometer entfernt in der Ukraine. In der Slowakei, dem östlichen Nachbarn auf dem Weg in die Ukraine, wurde bisher kein ASP-Ausbruch gemeldet. Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA geht davon aus, dass sich das Virus in der Natur etwa einen Kilometer pro Monat ausbreitet. Ein besonders großes Risiko stellt die Verschleppung des Virus durch den Menschen dar. Nach Auskunft des Friedrich-Löffler-Instituts (FLI) reicht im ungünstigen Fall bereits ein achtlos weggeworfenes Wurstbrot aus, um das Virus auf Wild- und Hausschweine zu übertragen.

Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau appelliert deshalb an Reisende aus dem Baltikum, Russland, Weißrussland, Ukraine, Polen und Tschechien keine Lebensmittel, die Teile von Haus- oder Wildschwein enthalten, einzuführen. Landwirte und Winzer, mit Saison-Arbeitskräften aus diesen Ländern, sollten ihre Mitarbeiter, insbesondere vor deren Anreise, darauf aufmerksam machen, dass keine Lebensmittel, die Teile von Haus- oder Wildschwein enthalten, eingeführt werden dürfen. Entsprechende Merkblätter in den Landessprachen liegen vor bzw. werden erstellt. Der Bauernverband wird außerdem bei den zuständigen Stellen einfordern, dass auf Flughäfen und Autobahn-Raststätten entsprechende Warnhinweise aufgehängt werden. Schweinehalter sind ihrerseits aufgefordert, die Biosicherheitsmaßnahmen im eigenen Betrieb zu überprüfen und die hygienischen Regeln beim Zukauf von Tieren, bei der Kadaverlagerung bzw. bei Kontakten mit Lieferanten, Viehhändlern, dem Postboten etc. zu beachten. Entsprechende Merkblätter und Eigenkontrolllisten können bei der Kreisgeschäftsstelle des Bauernverbandes angefordert werden bzw. hier am Ende dieses Artikels auf der Homepage des Verbandes heruntergeladen werden. Besondere Vorsicht müssen diejenigen Schweinehalter an den Tag legen, die gleichzeitig Jäger sind.

Die Jäger sind außerdem aufgerufen, die Bejagung des Schwarzwildes zu intensivieren. Das fordern auch die die Jägerschaft vertretenden Verbände. So hat der Vizepräsident des Deutschen Jagdschutzverbandes (DJV), Dr. Wolfgang Bethe gewarnt: „Das Virus ist hoch ansteckend. Daher sollten alle Restriktionen, die eine effektive und flächendeckende Schwarzwildbejagung in Deutschland unterbinden, wie etwa die Jagdruhe in Schutzgebieten, aus dem Weg geräumt werden.“ Der Ökologische Jagdverband (ÖJV) Rheinland-Pfalz erklärte aktuell sein Unverständnis darüber, „dass trotz der Bedrohung durch die Afrikanische Schweinepest (ASP) nach wie vor in einigen Kreisen von Rheinland-Pfalz das Handlungsprogramm zur Reduzierung überhöhter Schwarzwildbestände und zur Absenkung des Risikos einer Ausbreitung von Tierseuchen für das Jagdjahr 2016/2017 und 2017/2018 nicht konsequent umgesetzt werde. Immer noch gebe es Landkreise und Kreisjagdmeister, die untätig seien und z.B. noch nicht zum Runden Tisch mit allen Beteiligten eingeladen hätten.“ Der ÖJV fordert deshalb alle Landkreise und Kreisjagdmeister in Rheinland-Pfalz dazu auf, Maßnahmen zu diskutieren und Anreize zu schaffen, dass konsequent Schwarzwild geschossen wird. Möglichkeiten würden im Handlungsprogramm aufgeführt (wir berichteten). Der ÖJV weist auf die Erfahrungen aus den letzten Seuchenzügen hin. Die Kosten zur Bekämpfung der Schweinepest in RLP hätten allein für die Impfungen der Wildschweine in den Jahre 2002 – 2012 rund 10 Millionen Euro betragen. Dafür wurden 9 Millionen Impfköder im Wald von der Jägerschaft vergraben. Rechne man noch die sonstigen Kosten hinzu, die dem Land durch die Schweinepest entstanden seien, komme man auf rund 22 Millionen Euro. In Rheinland-Pfalz mussten von 2002 bis 2012 infolge von 11 Ausbrüchen der Europäischen Schweinepest (ESP) in Hausschweinbeständen 15.835 Schweine in 55 Betrieben gekeult werden. Anders als bei der europäischen bzw. klassischen Schweinepest besteht bei der Afrikanischen Schweinepest keinerlei Möglichkeit zur Impfung, weshalb der Vorsorge auf allen Ebenen eine besondere Bedeutung zukomme, warnt auch der Bauernverband.

Deutliche Kritik im Zusammenhang mit der latenten Gefahr eines Seuchenausbruchs in der Wildschweine-Population übt der ÖJV an der Schonzeitregelung für Schwarzwild in Nordrhein-Westfalen. Gerade im Grenzbereich zu Rheinland-Pfalz gebe es hohe Schwarzwildpopulationen, die nicht ausreichend bejagt werden würden. Der ÖJV fordert deshalb eine umgehende Aufhebung der Schonzeit in Nordrhein-Westfalen aufgrund der Bedrohung durch die ASP. Gerade die Zuwachsträger müssten vorrangig erlegt werden, wenn man die Schwarzwildpopulation absenken wolle.

Der Bauernverband wird die Landesregierung auffordern mit den angrenzenden Ländern Kontakt aufzunehmen und die Empfehlungen zur Jagd von Schwarzwild miteinander abzustimmen. Die unteren Jagdbehörden vor Ort werden gebeten, den Jägern den Einsatz von künstlichen Lichtquellen unbürokratisch zu erlauben und auf die Einhaltung der Fütterungs- und Kirr-Verordnung zu achten

Merkblatt über die Eigenkontrolle zu Sicherheitsmaßnahmen gegen die Afrikanische Schweinepest

Merkblatt über Maßnahmen gegen die Verschleppung der Schweinepest