Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

31.07.2018 - Ernte 2018

Das Erntegespräch 2018 in Gemünden traf bei Politik, Wirtschaft und Medien auf großes Interesse

Durchschnittliche Getreideernte, Viehversorgung gefährdet

Gemünden/WW. Im Rahmen der jährlichen Erntepressekonferenz erläuterte der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Michael Horper, in der Hessenmühle in Gemünden im Westerwald die Erntesituation im nördlichen Rheinland-Pfalz. Die Ernte 2018 war von widrigen Witterungsbedingungen geprägt. Die Niederschlagsmengen lagen im gesamten Frühling und Frühsommer unter dem langjährigen Mittel. Lediglich der Mai sorgte in weiten Teilen des Landes dafür, dass es keine Missernte gab. Dennoch, so machte der Präsident deutlich, sei die Niederschlagsverteilung nicht einheitlich gewesen, so dass es Regionen gebe, die unter Wassermangel gelitten hätten. In Jahren mit wenig Niederschlägen sei die Wasserhaltefähigkeit der Böden ausschlaggebend für die Ertrags- und Qualitätsentwicklung. Daher hätten Regionen mit leichteren, d. h. sandigeren Böden, deutlich unterdurchschnittliche Erntemengen eingefahren. Im Vergleich zu den nördlichen und östlichen Bundesländern seien die rheinland-pfälzischen Bauern bisher mit einem „blauen Auge“ davon gekommen. Wenn es aber in den nächsten Tagen nicht regnen würde, seien neben Einbußen im Grünland und Mais auch Mindererträge bei Zuckerrüben oder Kartoffeln zu erwarten.

Die Wintergerste, die überwiegend als Futtergetreide genutzt werde, habe gute Erträge erzielt. Auch die Qualitäten seien insgesamt zufriedenstellend. Die Erzeugerpreise für Wintergerste lägen zur Zeit um zehn Prozent über dem Vorjahresniveau. Anlass zur Freude gebe auch die Braugerste, da der Mairegen für eine gute Vollkornausbildung gesorgt habe. Mit über 55 dt/ha liege der Durchschnittsertrag um ca. 7 dt/ha über dem Vorjahr. Da keine negativen Überraschungen bei den Eiweißgehalten zu erwarten seien, seien die Qualitäten überwiegend zufriedenstellend. Auch die Preise hätten ein Niveau erreicht, das die Landwirte nach all den Jahren niedriger Erzeugerpreise zufriedenstelle.

Der Winterweizen, so Horper, wartet 2018 mit durchschnittlichen Erntemengen 70 dt/ha auf. Die Eiweißgehalte würden voraussichtlich den Qualitätsnormen für Brotweizen entsprechen. Die aktuellen Erzeugerpreise seien ebenfalls zufriedenstellend, erklärte der Präsident.

Problematisch sei die Rapsernte gewesen. Hier gebe es einen merklichen Ertragsrückgang, der einerseits auf die Witterungsschwankungen und andererseits auf fehlende Pflanzenschutzmittel zurückzuführen sei. Der zu nasse Spätsommer habe die Aussaat negativ beeinflusst, während der frostige Februar und der darauffolgende warme März bei den Rapspflanzen zu Stress geführt hätten. Darüber hinaus hätten der Rapserdfloh und der Rapsglanzkäfer nicht optimal bekämpft werden können, sodass auch wirtschaftliche Schäden durch Schädlinge eingetreten seien. Trotz gegenüber dem Vorjahr gesunkene Erträge auf 32 dt/ha, würden die Erzeugerpreise enttäuschend niedrig, um 340 €/t, liegen. Raps sei daher für Horper in 2018 eine enttäuschende Kultur.

Viel problematischer sehe die Situation in der Viehhaltung und somit im Futterbau aus. Nach ersten akzeptablen bis guten Schnitten, seien zur Zeit keine weiteren Grünguternten mehr einzufahren. Den Betrieben fehle häufig der dritte Schnitt und somit 25 bis 30 Prozent des Gesamtjahresertrages des Grünlandes. Auch der Mais leide unter der aktuellen Trockenheit und Hitze. Wenn es nicht baldmöglichst regne, werde es in einigen Regionen bereits ab Mitte August Noternten geben. Er begrüße daher die Entscheidung des Landwirtschaftsministers Dr. Volker Wissing, der eine Ausnahmegenehmigung für einzelne Regionen zur Futternutzung und Beweidung von ökologischen Vorrangflächen erteilt habe. Horper begrüßte, dass sich Rheinland-Pfalz auch für die Nutzung von Zwischenfrüchten auf ökologischen Vorrangflächen im kommenden Herbst stark mache. Sollte der Bund eine Freigabe ermöglichen, würde dies vielen Betrieben bei der Ernährung ihrer Tiere helfen.

Horper: „Die Trockenheit trifft viele landwirtschaftliche Unternehmen hart. Vor allem die Betriebe im Norden und Osten Deutschlands leiden sehr unter den Auswirkungen der Dürre. Wir fordern daher, den betroffenen Unternehmerfamilien Liquiditätshilfen anzubieten. Ebenso ist eine Senkung der Steuervorauszahlung anzustreben. Für die Zukunft muss endlich eine steuerfreie Rücklage für Katastrophen, bzw. höhere Gewalt eingeführt werden. Außerdem würde eine Erhöhung der Bundesmittel für die Beiträge zur Unfallversicherung die Betriebe ebenfalls entlasten. Eine vorzeitige Auszahlung der Betriebsprämien macht hingegen nur Sinn, wenn neben dieser auch die Restzahlung noch vor Jahresende getätigt wird.“ Außerdem forderte Horper das Land auf, zu berücksichtigen, dass vereinzelt die Stickstoffbilanzsalden der Betriebe höher ausfallen könnten als geplant. Dies hätten allerdings nicht die Betriebe zu vertreten, sondern das sei nun einmal höhere Gewalt durch die fehlenden Niederschläge. Die Folgekulturen im kommenden Jahr müssten dennoch entsprechend ihrer Entzugswerte gedüngt werden.

Scharf kritisierte Horper die Aussage der Bündnis 90/Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt, die die Landwirtschaft für die Hitzewelle verantwortlich mache. Die Landwirtschaft insgesamt und auch die ökologisch wirtschaftenden Betriebe seien die Leidtragenden der Hitzewelle. Die Landwirtschaft insgesamt kämpfe gegen den Klimawandel und setze sich intensiv für den Umweltschutz ein. Beispielhaft nannte er die Klimastrategie 2.0 des Deutschen Bauernverbandes, die in diesem Jahr verabschiedet worden sei und die über 200.000 Hektar, die alleine in Rheinland-Pfalz nach besonderen Umweltgesichtspunkten bewirtschaftet würden. Die Kritik Göring-Eckhardts sei populistisch und in Anbetracht der Situation, in der sich viele Betriebe befänden, völlig gefühl- und instinktlos.

Während des Erntegesprächs führten die Landfrauen des Kreisverbandes Westerwald unter der Leitung der Landfrauenvorsitzenden Gudrun Franz-Greiß eine Aktion gegen Nahrungsmittelverschwendung durch. Mit dem vom Umweltministerium zur Verfügung gestellten Kochbus erläuterten die Landfrauen den anwesenden Politikern und Medienvertretern die Möglichkeiten der Nutzung von Nahrungsmitteln, die vom Lebensmitteleinzelhandel für die Vernichtung vorgesehen seien.