Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

27.02.2018 - Vieh- und Fleischtag

Dr. Karl Landfried, Leiter des Hofgutes Neumühle und Präsident Michael Horper während der Pressekonferenz des Vieh- und Fleischtages

Nutztierhaltungsstrategie und die Zukunft der Tierhaltung in Deutschland

Koblenz. „Die Nutztierhaltung in Deutschland und Rheinland-Pfalz befindet sich auf einem hohen Niveau, sowohl hinsichtlich des Tierwohls als auch der Hygiene und des Verbraucherschutzes“, erklärt der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Michael Horper, während des 25. Vieh- und Fleischtages in Koblenz. Deutschland sei weltweit eine der führenden Nationen im Tier- und Verbraucherschutz. Unabhängig von den vorhandenen hohen gesetzlichen Standards, die in vielen Teilen der Welt nicht annähernd erreicht würden, hätten der bäuerliche Berufsstand und der Lebensmitteleinzelhandel über die Initiative Tierwohl Entwicklungen angestoßen, die deutlich über die gesetzlichen Vorgaben hinausgingen. Mit der Nutztierhaltungsstrategie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft würden diese vielfältigen Aktivitäten positiv unterstützt. Mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket hätten Verbesserungen der Haltungsbedingungen für landwirtschaftliche Nutztiere erreicht werden können, wie beispielsweise das Verbot nicht ausgestalteter Käfige bei Legehennen, der Verzicht auf Schnabelkupieren bei Legehennen oder die Einführung der Gruppenhaltung von Sauen im Wartebereich. Auch die Anbindehaltung bei den Milchkühen sei in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen und werde bald gänzlich verschwunden sein.

Horper macht deutlich, dass eine tierfreundliche Landwirtschaft allerdings nur möglich sei, wenn man hier in Deutschland erfolgreich wirtschaften könnte. Hierfür sei eine verlässliche Fortführung der gemeinsamen Agrarpolitik auch nach 2020 notwendig. Ohne die gesellschaftliche Unterstützung der Landwirtschaft würden Strukturen, wie sie in Rheinland-Pfalz vorherrschten, zerstört. Die gemeinsame Agrarpolitik müsse die Einkommenserzielung der Landwirte auf effiziente Weise unterstützen und damit die Bewirtschaftung der ländlichen Gebiete und somit auch der Grünlandregionen sichern. Horper fordert daher die Politik auf, die bäuerlichen Familienbetriebe zu stärken und die sogenannten Greeningauflagen praxistauglich weiterzuentwickeln. Gerade die Milch- und Fleischmärkte zeigten, dass die Preise und somit die Erlöse für die Betriebe extrem stark schwanken würden. Direktzahlungen hätten hingegen einen stabilisierenden Effekt. Sie seien daher auf dem bisherigen Niveau fortzuführen.

Gerade die Diskussion um die Düngeverordnung zeige, welche Auswüchse die Bürokratie in der Landwirtschaft annehme. Der aktuelle Umfang an Vorschriften und Kontrollen sei kaum mehr zu leisten. Es müsse daher mehr Toleranzen und Flexibilitäten bei den Kontrollen geben. Ambitionierte Ziele seien sowohl in Tier- als auch im Klimaschutz notwendig und geboten. Umso wichtiger seien Ausgleichsmaßnahmen, die den Landwirten Planungs- und Investitionssicherheit für die Zukunft ihrer Betriebe garantieren würden. Die gemeinsame europäische Agrarpolitik sei ein wichtiger Pfeiler der Europäischen Union. Sie dürfe nicht zum Steinbruch der Mitgliedsstaaten oder der Regionen werden. Daher dürfe die Finanzierung der Direktzahlungen nicht in Frage gestellt werden. Eine Renationalisierung würde zudem im gemeinsamen Markt zu neuen Wettbewerbsverzerrungen führen, was letztlich nicht im Sinne des Tierwohles wäre.

Der 25. Vieh- und Fleischtag in Rheinland-Pfalz informiert über die Entwicklungen beim Tierwohl sowie über die marktwirtschaftlichen Anforderungen.