Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

02.02.2018 - Milchausschuss

„Wenn wir es schaffen würden, dass die Menschen im Land mehr Geld für Lebensmittel ausgeben würden, wären viele Probleme gelöst“, erklärte Karsten Schmal (rechts). Von links: Manfred Zelder, Dr. Josef Derstappen, Michael Horper.

Milchmarkt ist augenblicklich stabil

Koblenz. Während einer gemeinsamen Sitzung der jeweiligen Fachausschüsse Milch im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau, im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd und im Bauernverband Saar referierte der Vorsitzende des DBV-Fachausschusses Milch und Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Karsten Schmal, über die aktuelle Situation am Milchmarkt und die Milchpolitik.

Einleitend kritisierte der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Michael Horper, den weltweit erstarkenden Protektionismus. Es werde dadurch schwieriger, Freihandelsabkommen umzusetzen. Auch auf den Milchmarkt habe der Schutz durch Mengenregulierungen weder den Preisverfall noch den Strukturwandel verhindern können. Daher müsse mehr Energie in verbesserte Vermarktungswege und -möglichkeiten gesteckt werden.

Milchpräsident Schmal stimmte der Aussage zu und verdeutlichte, dass der gesamte Milchmarkt sehr sensibel sei, obwohl weltweit nur relativ kleine Mengen gehandelt würden. Die Absenkung des Interventionspreisniveaus und der Abschluss von Handelsabkommen mit Südkorea, Kanada, Japan und Neuseeland führten zu einem zunehmend liberalisierten EU-Milchmarkt. Dieser Markt stehe nun vor der Herausforderung einer in der EU weitgehend gesättigten Nachfrage nach Milch und Milchprodukten und gleichzeitig weltweit steigender Nachfrage nach deutschen Milchprodukten, betonte Schmal. 49 Prozent der deutschen Milch gehe in den Export. Die Erschließung weiterer Exportmöglichkeiten sei hingegen schwierig. Am Beispiel Nordafrikas erklärte er, wie politische Unruhen einen grundsätzlich prosperierenden Exportmarkt ruiniert hätten. Der Butterpreis liege dennoch bei zur Zeit über 4.100 Euro pro Tonne. Dies sei noch ein recht guter Preis. In 2016 habe er schon einmal bei rund 2.400 Euro pro Tonne und in 2017 vorübergehend sogar bei 8.000 Euro gelegen.

Der Strukturwandel werde sich weiter fortsetzen. Habe es vor 20 Jahren noch 170.000 Milchviehhalter in Deutschland gegeben, seien es zur Zeit nur noch 71.000. Es werde auch künftig eine Preisvolatilität geben, die ja auch während der 30-jährigen Milchquotenregelung bestanden habe. Vielmehr sehe Schmal die Umsetzung der Düngeverordnung als mengenbegrenzenden Faktor an. Regionen mit über drei Großvieheinheiten pro Hektar müssten künftig mit Restriktionen rechnen. Eine Tierhaltung sei künftig nur noch flächengebunden möglich.

Schmal machte deutlich, dass der Berufsstand künftig über mehr Wertschätzung reden müsse: „Warum schaffen wir es nicht, dass die Menschen in unserem Land – wie in anderen Staaten auch – mehr Geld für Lebensmittel ausgeben“. Dies würde in Deutschland sehr viele Probleme in der Landwirtschaft lösen. Die Aufgabe der Politik müsse es sein, Rahmenbedingungen zu schaffen, die den wirtschaftlichen Erfolg des Berufsstandes erleichtere. So müssten Milch und Milchprodukte verstärkt exportiert werden können. Der Deutsche Bauernverband fordere daher, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Milchwirtschaft weiter zu verbessern, den Landwirten die Möglichkeit zu geben, Preisvolatilität besser meistern zu können und die moderne Milchproduktion weiterzuentwickeln. Die landwirtschaftlichen Betriebe müssten ihrerseits, um eben die Volatilität meistern zu können, Liquiditätsplanungen durchführen, ihre Betriebe diversifizieren und ein Risikomanagement aufbauen, während der Staat steuerliche Anreize zur Risikoversorge vornehmen und die Direktzahlungen sichern sollte. Die Molkereien müssten ihre Sortimente erweitern und die Börsen in die Absicherung des Milchhandels einbeziehen sowie Lieferbeziehungen längerfristig gestalten.

Augenblicklich seien die Milchpreise stabil. Der Berufsstand tue sich keinen Gefallen, die Situation schlecht zu reden. Erst die kommenden Verhandlungen im Frühjahr würden zeigen, wie sich der Markt weiter entwickele. Dabei spiele aber auch die Psychologie eine nicht unerhebliche Rolle.

Am Beispiel „Kerrygold“, eine Milchmarke aus Irland, erklärte Schmal, wie die Zusammenarbeit von ca. 10 irischen Molkereien zu einer Vermarktungsstrategie geführt habe, die den Landwirten in Irland auch über Krisen hinweg gute Einnahmen garantiere. Auch müsse es möglich sein, dass die Molkereien Festpreismodelle umzusetzen. Diese führten wohl nicht zu höheren Preisen, aber zu mehr betrieblicher Sicherheit. An der Gestaltung der Lieferbeziehungen müsse noch weiter gearbeitet werden.

In seiner Rede entließ der Milchpräsident die Verbraucher nicht aus ihrer Verantwortung. Die landwirtschaftlichen Unternehmen dürften und könnten nicht alles umsetzen, was der „Mainstream“, also die nationalen Medien, vorgeben würden. Die fehlende Wertschätzung gegenüber Lebensmitteln sei insgesamt ein Hauptproblem unserer Gesellschaft.

Andreas Gorn von der Agrarmarketing-Informations-Gesellschaft (AMI) stellte vor dem gemeinsamen Milchausschuss die aktuelle Marktsituation dar. Seien auf EU-Ebene im Jahr 2000 noch 121 Millionen Tonnen Milch erzeugt worden, seien es nun 165 Millionen Tonnen in den 28 EU-Staaten. Aber auch das Weltmarktangebot habe sich von Januar bis November 2017 gegenüber dem Vorjahr um 1,7 Prozent, also um 4,4 Millionen Tonnen, erhöht. Die Nachfrage steige insgesamt aber langsamer als das nahezu sprunghaft angestiegene Angebot. Auch in der EU seien Mitte des Jahres zwei bis drei Prozent mehr Milch produziert worden als noch in 2016. Ein solches Aufkommen drücke natürlich auf den Preis. Die Mengensteigerung erreiche von Januar bis November 2017 in der EU folglich zwei Millionen Tonnen. Während Deutschland in diesem Zeitraum 186.000 Tonnen weniger produziert habe, habe Irland seine Produktion um 610.000 Tonnen, Großbritannien um 524.000 Tonnen oder Polen um 467.000 Tonnen erhöht. Andererseits habe auch die Nachfrage nach Milch und Milchprodukten um zwei Prozent zugenommen, während die Lagerbestände an Magermilchpulver in der Intervention hätten nun aber dennoch 380.000 Tonnen überschritten hätten.

Der Milchkuhbestand in Deutschland sei um 0,4 Prozent auf 4,2 Millionen Kühe in 2017 zurückgegangen. Die Bestände hätten sich aber aufgrund der zurückgehenden Schlachtzahlen stabilisiert. Auch der Fettmarkt habe sich nach einem Hype wieder beruhigt. Bei zur Zeit etwa 4,20 Euro pro Kilogramm Markenbutter bewege sich der Preis aber immer noch auf einem guten Niveau. 250 g Deutsche Markenbutter würden zur Zeit einen Ladenpreis von knapp 1,60 Euro erzielen. So hätten sich auch die Erzeugerpreise in 2017 deutlich erholt. In Rheinland-Pfalz habe der Erzeugerpreis durchschnittlich bei 38 Cent pro Liter Milch gelegen. Auch der Jahresstart 2018 bewege sich bezüglich der Erzeugerpreise auf einem erhöhten Niveau.

Es werde in den kommenden Monaten mit einem schwächeren Käsepreis und einem stabilen und dennoch überdurchschnittlichen Butterpreis zu rechnen sein.

Anschließend diskutierten die Mitglieder der Ausschüsse über die Einflüsse des Brexits, die Branchenorganisation oder auch über weltweite Vermarktungsmöglichkeiten. Die Mitglieder kamen darin überein, dass die bäuerliche Berufsvertretung auch weiterhin Kontakt mit dem Lebensmitteleinzelhandel, der Politik und den Molkereien suchen müsse, um auch in Zukunft schwierige Zeiten für die Landwirtschaft erträglicher zu gestalten.