Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

12.01.2018 - Erfolgreiche Arbeit für den Naturschutz

Präsident Michael Horper (li) übernimmt die Auszeichnung von Staatssekretär Andy Becht (re) entgegen. Dazwischen von links: Winzer Theo Haart, Winzerin Stefanie Vornhecke, Winzerin Sibylle von Schuckmann-Karp, Anneliese Buchsbaum-Sehn, Geschäftsführerin des Moselprojektes und Fürstin Gabriela von Sayn-Wittgenstein-Sayn.

Moselprojekt erhält Auszeichnung als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt

Rheinland-Pfalz. Das Projekt „Steillagenweinbau schafft Vielfalt – das Moselprojekt“ wurde am 10. Januar 2018 als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt gewürdigt. Die Auszeichnung wurde im Rahmen des Mosel-Weinbautages im Hotel Moselpark in Bernkastel-Kues von Andy Becht, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau des Landes Rheinland-Pfalz, im Namen der Geschäftsstelle der UN-Dekade übergeben. Diese Ehrung wird an Projekte verliehen, die sich in nachahmenswerter Weise für die Erhaltung der biologischen Vielfalt einsetzen.

Im „Moselprojekt“ setzen in enger Zusammenarbeit mit dem Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau (Koblenz) etwa 30 Steillagenwinzerinnen und -winzer an der Mittel- und Terrassenmosel in Weinbauorten von Drohn bis Winningen verschiedene Maßnahmen zur Förderung der Arten- und Lebensraumvielfalt um. Mit diesem vorbildlichen Projekt wird ein bedeutendes Zeichen für das Engagement für die biologische Vielfalt in Deutschland gesetzt.

Ziel des Projekts "Steillagenweinbau schafft Vielfalt – Das Moselprojekt" ist es, die Blühvielfalt und die Lebensbedingungen für die lebensraumtypische und wärmeliebende Flora und Fauna in den weinbaugeprägten Moselhängen zu fördern. Blühende Säume und Zwischenzeilenbegrünung, entbuschte Rebbrachen und freigestellte Trockenmauern bieten den typischen wärmeliebenden Insekten, Reptilien, Vögeln und Kleinsäugern wertvollen Raum zur Nahrungssuche, Fortpflanzung und Überwinterung. Zudem bieten aufgestellte Nisthilfen Möglichkeiten für die Vermehrung der in Hohlräumen nistenden Wildbienenarten. Diese im „Moselprojekt“ durchgeführten Maßnahmen sind auf andere Weinbauregionen übertragbar.

Fruchtbare Kooperation

Gemeinsam mit etwa 30 Winzerinnen und Winzern setzt sich das Projekt, koordiniert vom Bauern- und Winzerverband, seit dem Jahr 2015 für die ökologische Aufwertung der Weinkulturlandschaft ein. Durch die Anlage ganzjähriger Blühflächen aus heimischen standorttypischen Wildkräutern wird das Nahrungsangebot für Insekten über die gesamte Vegetationsperiode hinweg aufgewertet. Dazu säen teilnehmende Winzerinnen und Winzer zwischen den Rebzeilen und an Säumen Blühstreifen aus regionalem Saatgut ein. Nicht nur Insekten – darunter viele Nützlinge – profitieren vom zusätzlichen Nahrungs- und Lebensraumangebot, sondern auch Vögel und Reptilien. Eine weitere Maßnahme, das Freistellen von Rebbrachen, nutzt der wertvollen wärmeliebenden Pflanzen- und Tierwelt des Offenlandes ebenso wie den benachbarten bewirtschafteten Rebflächen, denn so wird der von den Rebbrachen ausgehende Schatten- und Schädlingsdruck verringert. Darüber hinaus schaffen die Winzerinnen und Winzer Hotspots, um ein zusätzliches Lebensraumangebot und Lebensraumvernetzung zu erreichen. Typische Vertreter der Weinbergsflora der Mosel werden gezielt vermehrt und wieder in die Weinkulturlandschaft eingebracht. Für Reptilien werden ergänzend Steinriegel hergestellt und Trockenmauern für mehr Besonnung freigestellt. So werden, wie auch durch das Aufstellen von Wildbienennisthilfen, Kleinstrukturen geschaffen, die die Lebensraumvielfalt erhöhen.

Biologische Vielfalt ist alles, was zur Vielfalt der belebten Natur beiträgt: Vielfalt der Lebensräume, Arten von Tieren, Pflanzen, Pilzen und Mikroorganismen, ihre Wechselwirkungen untereinander und zur Umwelt sowie die genetische Vielfalt innerhalb der Arten. Die natürliche Vielfalt zu schützen, bedeutet nicht nur, die Schönheit der Natur zu bewahren. Es bedeutet auch, die Grundlagen des Überlebens von uns allen zu sichern: Vielfalt stabilisiert das Ökosystem und macht es leistungsfähiger. Durch ein ausgeglichenes Ökosystem entstehen zahlreiche Vorteile für die menschliche Nutzung, beispielsweise natürliche Schädlingsregulierung, Erosionsschutz und Bestäubung von Kulturpflanzen.

Das projektbegleitende Monitoring von Wildbienen, Heuschrecken Tagfaltern sowie der Vegetation auf ausgesuchten Projektflächen zeigt das große Potential, das in den Steillagenrebflächen vorliegt. Im Zuge des Wildbienenmonitorings konnten im Jahr 2016 auf einzelnen Rebflächen bis zu 35 verschiedene Wildbienenarten nachgewiesen werden, insgesamt wurden sogar 115 verschiedene Wildbienenarten auf allen Projektflächen gefunden. Außerdem zeugen die Erstfunde zweier als gefährdet eingestufter sehr seltener Wildbienen an der Untermosel von deren Ausbreitung aus dem Rheintal heraus in das Moseltal aufgrund des Klimawandels: die Große Keulhornbiene (Ceratina chalybea) und die sehr seltene Fleckenbiene (Thyreus orbatus). Weitere Monitoringdurchgänge werden zeigen, ob durch die Projektmaßnahmen eine Veränderung in der Artenvielfalt feststellbar ist.

Der Einsatz der Winzerinnen und Winzer in den Steillagenrebflächen an der Mosel hat die Juroren und Jurorinnen des UN-Dekade-Wettbewerbs sehr beeindruckt. Neben einer Urkunde und einem Auszeichnungsschild erhielt der Weinbauverband Mosel im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e. V. einen „Vielfalts-Baum“, der symbolisch für die bunte Vielfalt und einzigartige Schönheit der Natur steht, zu deren Erhaltung das „Moselprojekt“ einen wertvollen Beitrag leistet. Ab sofort wird das Projekt auf der deutschen UN-Dekade-Website unter www.undekade-biologischevielfalt.de vorgestellt.

Der rheinland-pfälzische Weinbaustaatssekretär Andy Becht überreichte die Auszeichnung an den Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau mit den Worten: „Das Moselprojekt ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie biologische Vielfalt und Bewirtschaftung im Weinanbaugebiet miteinander harmonieren. Es zeigt außerdem, dass die Winzerinnen und Winzer der Moselregion die Umwelt im Blick haben – von den Reben bis zur besonderen Tier- und Pflanzenwelt, die zu dieser ausgezeichneten biologischen Vielfalt in den Moselsteillagen führt. Ich gratuliere dem Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau und allen mitwirkenden Winzerinnen und Winzern zur Auszeichnung als UN-Dekade-Projekt Biologische Vielfalt. Sie alle machen die Steillagen zu lebendigen Moselweinbergen“.

Der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Michael Horper, wies in seiner Ansprache auf die gute Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten hin. „Diese Auszeichnung ist ein passender Anlass, mich bei allen, die sich unserem Pilotprojekt angeschlossen haben, ganz herzlich für ihren Einsatz zu bedanken. Gemeinsam zeigen wir mit dieser Initiative, dass kooperativer Naturschutz in Zusammenarbeit mit Landwirtschaft und Weinbau funktioniert. Alle Beteiligten können stolz sein, durch Naturschutz durch Nutzung ein gutes Werk für ihre Heimat und deren vielfältige Schönheit zu vollbringen. Ich nehme diese Auszeichnung nur stellvertretend für sie entgegen“.

Fürstin Gabriela Sayn-Wittgenstein-Sayn hat die Aktivitäten schon lange mit Freude verfolgt und freut sich besonders, dass auch Schmetterlinge durch die Projektmaßnahmen gefördert werden. Sie wünscht dem Projekt eine große Strahlkraft und viel Erfolg, denn das kommt auch der wunderbaren Weinkulturlandschaft an der Mosel zu Gute.

Hintergrund

Das ausgezeichnete Projekt hat an dem Wettbewerb der UN-Dekade Biologische Vielfalt teilgenommen, eine namhafte Jury hat über die Qualität der eingereichten Projekte entschieden. Der fortlaufende Wettbewerb wird von der Geschäftsstelle der UN-Dekade Biologische Vielfalt mit Sitz in Hürth ausgerichtet. Die Auszeichnung dient als Qualitätssiegel und macht den Beteiligten bewusst, dass ihr Einsatz für die lebendige Vielfalt Teil einer weltweiten Strategie ist. Möglichst viele Menschen sollen sich von diesen vorbildlichen Aktivitäten begeistern lassen und die ausgezeichneten Projekte zeigen beispielhaft, wie man sich selbst aktiv in den Naturschutz einbringen kann.

Die Auszeichnung zum UN-Dekade-Projekt findet im Rahmen der Aktivitäten zur UN-Dekade Biologische Vielfalt statt, die von den Vereinten Nationen für den Zeitraum von 2011 bis 2020 ausgerufen wurde. Ziel der internationalen Dekade ist es, den weltweiten Rückgang der biologischen Vielfalt aufzuhalten. Dazu strebt die deutsche UN-Dekade eine Förderung des gesellschaftlichen Bewusstseins in Deutschland an. Die Auszeichnung nachahmenswerter Projekte soll dazu beitragen und die Menschen zum Mitmachen bewegen.

Interessierte Einzelpersonen, ehrenamtlich Tätige und Institutionen die sich für die Erhaltung der biologischen Vielfalt durch Forschungs-, Bildungs- oder Naturschutzmaßnahmen einsetzen, sind eingeladen, sich an dem fortlaufenden Wettbewerb zu beteiligen. Die Jury entscheidet etwa halbjährlich über die Auszeichnungen. Seit Juni 2012 werden wöchentlich beispielhafte Projekte zur UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet und offiziell vorgestellt. Eine entsprechende Bewerbung als UN-Dekade-Projekt kann ausschließlich online bei der Geschäftsstelle UN-Dekade Biologische Vielfalt unter http://www.undekade-biologischevielfalt.de eingereicht werden.

Das Projekt wird gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, mit Mitteln der Landwirtschaftlichen Rentenbank sowie durch Mittel des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau e. V.