Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

17.12.2017 - Betrugsmasche gegenüber Winzern

Nicht jede Flasche, die alt aussieht, ist es auch wirklich. Entsprechende „Angebote“ sollten daher genau geprüft werden. (Foto: mh)

Angebot von gefälschten „alten“ Flaschen

Koblenz. Es ist immer wieder erstaunlich, welche Anstrengungen findige Zeitgenossen entwickeln, um an das Geld anderer Leute zu kommen. Winzer und insbesondere diejenigen, die Online-Shops betreiben, werden, das ist bekannt, schnell Opfer von Abmahnungen, die berechtigter- oder unberechtigterweise wegen der Verletzung von Urheberechten oder fehlerhafter allgemeiner Geschäftsbedingungen beziehungsweise Verstöße gegen Hinweispflichten etc. ausgesprochen werden. Bekannt ist auch, dass durch die Übersendung amtlich aussehender Formulare unbedarfte Bauern und Winzer dazu verleitet werden sollen, vorbereitete Formulare zu unterschreiben und damit quasi nutzlose Dienstleistungen für teures Geld in Anspruch zu nehmen.

Mit einer besonders cleveren Masche hatten sich in den letzten Wochen Winzer auseinanderzusetzen, die auf eine lange Familientradition ihrer Weingüter zurückblicken können. Diese Winzer wurden mit der Begründung angesprochen, man habe im Rahmen einer Erbschaft einige Flaschen Wein entdeckt, die sehr alt seien und auch den Namen des betroffenen Weingutes trügen. Meist handelte es sich dabei um Flaschen, die aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts stammen und bei denen keine Kenntnisse mehr im Betrieb vorhanden sind, ob solche Flaschen tatsächlich abgefüllt wurden oder nicht.

Selbstverständlich sind solche Flaschen für den Winzer erst einmal interessant und es ist bekannt, dass echte alte Flaschen und vierstellige Beträge gerne den Besitzer wechseln. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Winzer erst einmal neugierig sind, wenn ihnen alte Schätze angeboten werden, vor allem, wenn diese sogar noch ein Stück Familiengeschichte beinhalten.

Solche „Angebote“ sollten jedoch sehr kritisch hinterfragt werden. Auch wenn die Flaschen einen sehr alten und damit oft auch authentischen Eindruck machen, sollten nicht nur Bilder, sondern möglicherweise auch die Flaschen selbst in Augenschein genommen werden. Dabei kann sich schnell herausstellen, dass die Angaben auf dem Etikett nicht ganz stimmig sind. Beispielsweise dürfte es für Weingüter, die in der Vorkriegszeit nur Fasswein produziert haben, eher abwegig sein, wenn plötzlich Flaschen auftauchen, die für die damalige Zeit durchaus typische Etiketten aufweisen. Darüber hinaus kann auch die technische Aufmachung der Etiketten eine Rolle spielen, die heute mit einem gängigen Grafikprogramm und jedem guten Drucker hergestellt werden können. Schriftbild, Schrifttypen und die Haptik eines Etiketts können Hinweise auf Fälschungen sein. Auch der Name, der auf dem Etikett erscheint, sollte genau überprüft werden. Denn insbesondere in den Fällen, in denen mehrere Winzerfamilien mit gleichen Namen in einem Ort gelebt haben, ist die Kenntnis des Vornamens des damaligen Betriebsinhabers wichtig. Trägt das Etikett dagegen nur den Nachnamen, könnte dies ein Hinweis darauf sein, dass irgendetwas nicht stimmt, vor allem, wenn sich die Schreibweise von Namen oder Ortsnamen sowie Lagenamen im Laufe der Zeit wissentlich verändert haben.

Selbstverständlich muss nicht jeder Anruf und jede Mitteilung bezüglich einer alten Weinflasche aus dem Weingut ein Betrugsversuch darstellen. Allerdings sollte jeder Winzer, der auf einen solchen „Kellerfund“ oder eine „Erbschaft“ angesprochen wird, kritisch und mit Augenmaß die angebotenen Flaschen begutachten, bevor Geld für historische aber letztlich für den Ersteher wertlose, weil gefälschte, Weinflaschen ausgegeben wird.