Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

04.10.2017 - Erntedankfest 2017

Kulturdezernentin Dr. Margit Theis-Scholz übernahm aus den Händen des Präsidenten Michael Horper die allseits bestaunte Erntekrone der Landjugendgruppe aus Flammersfeld.

Landwirtschaft zeigt in der Großstadt Präsenz

Koblenz. Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau, der LandFrauen- und der Landjugendverband sowie die Landwirtschaftskammer gestalteten auch dieses Jahr das Erntedankfest in Koblenz. Der Zuspruch der Koblenzer Bevölkerung war groß, nicht zuletzt aufgrund des großen Angebots und des insgesamt noch guten Wetters.

„Unkalkulierbare Witterungsverläufe machen es den Bauern und Winzern oft unmöglich, gute Ernten einzufahren. So haben aufgrund der Frosteinbrüche im Frühjahr und der Trockenheit im Sommer viele Betriebe teils hohe Einbußen zu beklagen. Im Durchschnitt aller landwirtschaftlichen Unternehmen konnte schließlich eine etwas unterdurchschnittliche Ernte in der Landwirtschaft eingefahren werden. Somit kommt die Landwirtschaft insgesamt mit einem blauen Auge davon“, erklärte der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Michael Horper, den Besuchern des Erntedankfestes auf dem Jesuitenplatz. Anschließend nahm er das Fest zum Anlass, um allen Bauern- und Winzerfamilien für ihre verantwortungsvolle und schwere Arbeit zu danken. Die landwirtschaftliche Urproduktion sei schließlich der wichtigste Beruf, weil nur er die Lebensgrundlage einer Gesellschaft sicherstellen könne. Auch wenn die Wahrnehmung der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit nicht immer zufriedenstellend sei, so dankte er den Verbraucherinnen und Verbrauchern, weil 90 Prozent der Bevölkerung hinter dem landwirtschaftlichen Berufsstand stehe. Den Politikerinnen und Politikern, die die Landwirtschaft unterstützten, dankte er ebenfalls, weil ohne deren persönlichen und fachlichen Einsatz viele notwendige Entscheidungen nicht getroffen würden. Auch gelte es, praxisfremde Gesetze abzuwenden oder abzumildern. Sein weiterer Dank galt allen Menschen des Berufsstandes, die zum Gelingen des Erntedankfestes in Koblenz beigetragen haben. Anschließend übergab Horper die Erntekrone an die Vertreterin der Stadt, Kulturdezernentin Dr. Margit Theis-Scholz. Die Erntekrone hat auch in diesem Jahr wieder die Landjugendgruppe aus Flammersfeld gebunden und nach Koblenz transportiert. Für diese intensive Arbeit und den Einsatz während des Erntedankfestes dankte der Präsident der Landjugendgruppe ausdrücklich.

Dr. Theis-Scholz erinnerte daran, dass die Nahrungsmittel ein Zeichen der Natur seien. Der Mensch mache sich das „Wissen“ der Natur zum Wohl der Gesellschaft zu Nutze. Dr. Theis-Scholz freute sich über die immer noch recht gute Ernte. Das Erntedankfest mache aber auch auf die schlimme Situation von circa 800 Millionen Hungernden in der Welt aufmerksam: „Dürren, Kriege, Hochwasserereignisse und Wirbelstürme zeigen, dass der Mensch die Schöpfung nicht unter Kontrolle hat. Ernten, wie sie in aller Regel in Mitteleuropa eingebracht werden, sind daher keine Selbstverständlichkeit. Deshalb sollte man für die fast schon selbstverständliche Erfüllung des Grundbedürfnisses „Hunger stillen“ dankbar sein.“ Die Produkte seien oft so billig, dass nicht zu verstehen sei, wie die Bauern davon leben könnten. Daran müsse auch gedacht werden, wenn die Lebensmittelpreise endlich einmal anstiegen.

Vizepräsidentin des LandFrauenverbands Rheinland-Nassau, Gudrun Breuer, erklärte, wie wichtig den bäuerlichen Familien die sorgfältige und nachhaltige Produktion von Lebensmitteln in den Ställen und auf den Äckern sei. Es bestehe ein großes Interesse auch für die nächsten Generationen die Ressourcen zu erhalten. Diese Wertschätzung und den sachgerechten Umgang mit den Lebensmitteln möchten die Landfrauen in der Ernährungsbildung weitergeben. Sowohl in Schulen, als auch in der Erwachsenenbildung würde diese Wertschätzung in den Unterrichtsstunden vermittelt. Der Einsatz von regionalen und saisonalen Produkten sowie die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung stünden dabei im Fokus. „Im Erzeuger-Verbraucher-Dialog sind wir kompetente Ansprechpartnerinnen. Wir möchten als Bindeglied das Wissen aus der Landwirtschaft an den Verbraucher weitergeben und die Wertschätzung für die Lebensmittel stärken!“, so Breuer

Über 40 Stunden habe die Landjugend aus Flammersfeld mit dem Binden der Erntekrone verbracht, erklärte der Vorsitzende der Landjugend Rheinland-Nassau, Mathias Genn. Es mache ihn daher stolz, sie in dieser schönen Atmosphäre präsentieren zu können. Sie stehe als Symbol für die Früchte der Arbeit in der Landwirtschaft und im Weinbau. Die Landjugend sei politisch aktiv, habe Spaß an kulturellen Veranstaltungen und führe Fortbildungs- und Sportveranstaltungen durch. Es sei ein zentrales Ziel des Landjugendverbandes sowohl der Politik als auch den Verbänden die Leistungen des bäuerlichen Berufsstandes positiv zu präsentieren. Das Werteverständnis in der Gesellschaft müsse sich allmählich in einen besseren und respektvolleren Umgang mit Nahrungsmittel ändern.

Mittelrheinweinkönigin Daniela Simon bedauerte, dass der Frost Ende April sehr viele Triebe der Reben zerstört hätte. Der goldene Spätsommer habe aber für eine insgesamt gute Entwicklung der Reben gesorgt. Sie erwarte ein gutes Weinjahr 2017. Die Weinkönigin dankte den Winzer- und Bauernfamilien für ihre Arbeit. Moselweinkönigin Kathrin Hegner fügte hinzu, dass die Winzer erfahrene Fachleute seien und oft trotz widrigen Wetters gute Weine produzieren könnten. Auch sie werde dazu beitragen, das Bewusstsein für Lebensmittel in der Gesellschaft zu stärken.

Der ökumenische Erntedankgottesdienst wurde von den Landfrauen aus Ahrweiler gestaltet und von Pfarrer Stephan Wolff und Pfarrer Christoph Funke gehalten. Die Musikkapelle aus Gondershausen sorgte für die feierliche Umrahmung des Festgottesdienstes. In seiner Predigt erklärte Pfarrer Wolff, dass die Gesellschaft das für wertvoll halte, wozu sie eine Beziehung habe: „Menschen, die ihre Kühe kennen oder den Bauern, der ihre Milch melkt, haben eine ganz andere Beziehung zu diesem Lebensmittel, als diejenigen, die ihre Milch im Tetra Pak im Supermarkt kaufen. Die Milchkanne wurde einst immer wiederverwendet, während Wegwerfpackungen ein völlig falsches Signal aussenden. Wenn die Arbeit hinter einem Produkt nicht mehr wahrgenommen wird, fehlt die Beziehung zum Lebensmittel.“ Weder der Supermarkt noch das Internet könne eine Beziehung aufbauen.

Der beeindruckende Kirchenschmuck, den ebenfalls die Landfrauen aus Ahrweiler gestaltet haben, zog auch nach dem Gottesdienst viele Besucher an. Auf dem Bauernmarkt präsentierten sich neben den vielfältigen Ständen der Bauern und Winzer und deren Produkten auch die Landfrauen aus Mayen-Koblenz und aus dem Westerwaldkreis mit Kaffee, Kuchen und Reibekuchen. Das Angebot wurde von der Koblenzer Bevölkerung sehr gut angenommen. Im Tierzelt informierte die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz über die Erzeugung von Lebensmitteln, am Beispiel der Milchviehhaltung. Über acht Stellwände hinweg konnten sich die Besucher des Erntedankfestes von der Leistung der Landwirtschaft überzeugen.

Die Musikkapellen aus Gondershausen und Idenheim umrahmten das Erntedankfest musikalisch. Die Schlepperfreunde Untermosel mit ihren Schlepper-Oldtimern und Landwirt Willi Gilles mit seiner Pferdekutsche und dem historischen Milchwagen zogen das Interesse der Bevölkerung und der Touristen auf sich, ebenso wie die Volkstanzgruppe aus Zerf, die Winzertanzgruppe aus Leiwen, die Mittelrheinweinkönigin Daniela Simon, die Moselweinkönigin Kathrin Hegner und die rheinland-pfälzische Milchkönigin Carina Hirschen. Zentraler Bestandteil des Erntedankumzuges war schließlich die Erntekrone der Landjugend aus Flammersfeld. Der Agrar- und Forst-Service Steiner war wieder ehrenamtlich zur Stelle, um den geplanten Erntedankumzug abzusichern und für einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung zu sorgen.

Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau, der LandFrauen- und der Landjugendverband sowie die Direktvermarkter zeigten sich trotz des am Nachmittag einsetzenden Regenwetters insgesamt zufrieden über das Interesse der Koblenzer Bevölkerung am Erntedankfest. Am Ende der Veranstaltung dankte Michael Horper dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau für die freundliche Unterstützung des Erntedankfestes.

Herbert Netter

Die Landfrauen aus Ahrweiler gestalteten und schmückten die St. Kastor Basilika in Koblenz. Dutzende landwirtschaftliche Produkte zeugten von der Vielfalt der landwirtschaftlichen Arbeit und dessen Erzeugnisse.

Die Landfrauen aus Rheinland-Nassau – hier Landfrauen Kreisverband Mayen-Koblenz – verköstigten nicht nur die Besucher des Erntedankfestes, sondern sorgten auch für die besondere Atmosphäre des Erntedankfestes.

Die Landjugend Rheinland-Nassau zeigte anhand des selbstgepressten Traubensaftes und durch die vor Ort hergestellten Haferflocken wie aus den landwirtschaftlichen Produkten Lebensmittel hergestellt werden. Die gesammelten Spenden kommen dem ambulanten Kinder- und Jugendhospiz in Koblenz zugute.

Der Erntedankfestumzug des bäuerlichen Berufsstandes begann mit der Parade der Oldtimerschlepper der Schlepperfreunde Untermosel.

Der Musikverein Idenheim sorgte während des gesamten Erntedankfestumzuges für gute Stimmung mit traditioneller, aber flotter Musik.

Die Jugendabteilung der Volkstanzgruppe Zerf tanzte für die Besucher des Erntedankfestes. Ihre Lebensfreude und Ausstrahlung überstrahlte das Fest und trug somit zur guten Stimmung auf dem Erntedankfest bei.

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Mittelrheinweinkönigin Daniela Simon (links) und Moselweinkönigin Kathrin Hegner präsentierten auf der Kutsche des Landwirtes Willi Gilles den Weinbau in der Region.