Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.

20.09.2017 - Mahnfeuer in Neuwied

80 Feuer in Europa mahnten zeitgleich, die Folgen der Ansiedelung des Wolfes zu bedenken und die Weidetiere zu schützen.

Wolf schadet der Weidetierhaltung und den Tierhaltern!

Heimbach-Weis. Im Rahmen der europaweiten Aktion „Mahn- und Solidarfeuer für die eingeschränkte Ausbreitung der Wölfe“ wurden vergangenen Freitag in Europa 80 Feuer entfacht, um gegen die Ausweitung des Wolfes und für den Schutz der Weidehaltung in Europa zu demonstrieren. Über 100 Gäste besuchten das Mahnfeuer des Fördervereins der Deutschen Schafhaltung und des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau auf dem Betrieb der Familie Werner und Marie-Theres Neumann in Heimbach-Weis bei Neuwied.

In seiner Ansprache betonte Werner Neumann, der Vorsitzende des Landesverbandes der Schaf- und Ziegenhalter in Rheinland-Pfalz, dass die Bedrohung der Weidetierhaltung durch die Ausbreitung des Wolfes nicht unterschätzt werden dürfe. Der Wolf habe eine enorme Vermehrungsrate und bereits heute seien in Deutschland über 250 fortpflanzungsfähige Individuen festzustellen. Dies genüge längst für eine dauerhafte Reproduktion des Wolfsbestandes. Mittlerweile sei jährlich mit 1.500 Welpen zu rechnen. Dies gebe Anlass zur Sorge. Die Weidetierhalter würden schließlich nicht nur wirtschaftlich unter den Folgen des Wolfseinfalls leiden, sondern auch emotional. Es sei auch für die Betriebsleiterfamilie schwierig mit dem Leid der gerissenen Tiere wie auch mit der Angst und sogar Panik der überlebenden Tiere umzugehen. Selbst hohe Weidezäune mit Strom und Flatterband würden die Wölfe kaum mehr behindern. Sogar die Anwesenheit des Menschen würde mittlerweile von den Wölfen ignoriert. Sie hätten gelernt, dass ihre Angriffe für sie selbst folgenlos blieben. Bereits heute würden ca. 75 Prozent der gerissenen Schafe in eigentlich wolfsicheren Beständen gerissen.

„Ein Wolf legt am Tag bis zu 70 Kilometer zurück. Somit wird auch die Besiedelung des Landes Rheinland-Pfalz in naher Zukunft Realität sein“, erklärte Neumann. Wölfe würden nicht nur Schafe und Ziegen attackieren, sondern auch Rinder und sogar Pferde. Dabei wären nicht nur die Jungtiere, sondern auch die adulten Tiere gefährdet. Neumann empfahl den politisch Verantwortlichen, sich auch über die Regelungen zur Wolfsregulierung in anderen Staaten zu informieren. So gebe es in Schweden eine Obergrenze von 250 Wölfen bei lediglich 10 Millionen Einwohnern und einem viel größeren Territorium! In Deutschland hingegen würden bis zu 1.000 Tiere akzeptiert werden - und das bei achtmal höherer Einwohnerzahl.

Neumann forderte den Bund und das Land auf, die Aufwendungen für die durch den Wolf entstandenen Schäden unbürokratisch auszugleichen. Hinzu käme der notwendige finanzielle Ausgleich für die erforderlichen Weideschutzmaßnahmen: „Wer den Wolf will, muss auch die wirtschaftlichen Folgen bei den Weidetierhalten tragen!“.

Das Bundesumweltministerium sei für die Ansiedlung des Wolfes verantwortlich. Neumann wünsche sich, dass sich das Bundeslandwirtschaftsministerium stärker „zu Wort melde“ und dem Bundesumweltministerium die Grenzen der Wolfansiedlung aufzeige. Die Bejagung des Wolfes müsse beispielsweise ins Jagdrecht aufgenommen werden. Der Wolf verursache Schäden und müsse deshalb auch wie andere Wildtiere behandelt werden. Die Rückkehr des Wolfes habe zu unkalkulierbaren rechtlichen Risiken für die Betriebe mit Weidehaltung geführt. Panikfluchten von Weidetieren könnten zu enormen Schäden und Schadenersatzansprüchen führen. Hier müsse es ebenfalls klare Regelungen geben, die die Landwirte schützten. Keine Versicherung sei zurzeit bereit, die Flucht von Herden zu versichern. Neumann forderte deshalb auch über die Landgrenzen hinweg die Gründung eines zentralen Kompetenzzentrums, wo alle Fragen, die die Weidetierhalter betreffen, gebündelt und gesetzlichen Regelungen zugeführt werden sollten.

Der Vizepräsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Manfred Zelder, stellte fest, dass der Verband gemeinsam mit der Interessengemeinschaft der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer (IGJG) und dem Verband der Schaf- und Ziegenhalter an einem Strang ziehen würde. Die breite Front an Tierhaltern, die sich anlässlich des Mahnfeuers zusammengefunden hätten, sollte den Politikern zu denken geben. Vor über 150 Jahren seien die letzten Wölfe geschossen worden. Damals habe man sich der Gefahr der Tollwut erwehren müssen. Deutschland sei tollwutfrei und Zelder sehe nun mit Sorge, dass diese Freiheit durch den Wolf wieder in Gefahr gerate. Die möglichen Folgen der Ausbreitung der Wolfspopulationen würden zu wenig bedacht, sorgte sich Zelder.

Wolfsbefürworter könnten keine Tierschützer sein, da sie den Schmerz und die Not der gerissenen und überlebenden Tiere schlicht ignorieren würden. Die geschockten Tiere seien kaum mehr zu betreuen und müssten geschlachtet werden. Die Europäische Union lasse hingegen Vorgehensweisen gegen den Wolf zu. Diese würden aber in Deutschland einfach ignoriert. Zelder forderte die Politik auf, entstandene Schäden vollständig auszugleichen. Die Tierhalter in Rheinland-Pfalz würden mit großem Unbehagen die Ankunft des Wolfes erwarten. Dieser könne in einer Nacht eine langjährige landwirtschaftliche Arbeit zerstören: „Dabei brauchen wir die Weidehaltung und eine effektive Grünlandpflege. All dies gefährdet der Wolf!“ Er zeigte sich entsetzt darüber, dass gerade die von Naturschutzseite gewünschte Weidetierhaltung durch die Einwanderung des Wolfes akut gefährdet werde.

Der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins der Deutschen Schafhaltung, Gerd Dumke, war hoch erfreut, dass der Aufruf zum europaweiten Mahnfeuer für den Erhalt der Weidetierhaltung zu einer solch großen Resonanz geführt habe. „Noch vor einigen Jahren war die Einführung des Wolfes aus Sicht der Befürworter überhaupt kein Problem. Die Tiere seien menschenfreundlich, harmlos und die Weidetierhalter bräuchten sich ohnehin keine Sorgen zu machen – so hieß es damals. Mittlerweile werden aber fast 80 Prozent aller Tiere in gegen Wölfe geschützten Weiden gerissen! Wo sind sie denn heute, die Wolfbefürworter mit ihren Argumenten?“ stellte Dumke die rhetorische Frage. Allein der Herdenschutz koste über 1.000 Euro pro Jahr und Betrieb. Dabei könnten Wölfe aufgrund ihres dichten Fells problemlos die Stromzäune durchbrechen. Erfahrungen aus Frankreich, Spanien oder Polen zeigten, dass ein Schutz der Herde durch Zäune kaum möglich sei.

Die Teilnehmer der Veranstaltung kamen darin überein, dass die Politik die Weidetierhalter nicht gefährden dürfe, sondern nachhaltig unterstützen müsse. Die augenblickliche Situation sei völlig unbefriedigend.

120 Teilnehmer demonstrierten am Mahnfeuer auf dem Hofgut Meereheck in Heimbach-Weis gegen die Ziele der Wolfbefürworter, die das Leid der Weidetiere und der Bauernfamilien offensichtlich ignorieren.